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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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183
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3. Buch.

Straßenaufläufe.

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großen Siegel erlassenen Befehl gaben die Friedensrichter den ConstabelnAuftrag, um Westminster her Wachen aufzustellen und die Aufläuft zuzerstreuen. Hierauf beriefen die Gemeinen die Constabeln vor sich, be-handelten den Befehl als eine Verletzung ibrer Privilegien, und einervon den Friedensrichtern wurde in den Tower gesetzt. Zu gleicher Zeitbeschloß das Haus, daß jedes Mitglied, da der König daraus beharre,ihm seine Schutzwache zu verweigern, das Recht haben solle, einen vonseinen Dienern nach Belieben bewaffnet mitzubringen und vor der Thürzurückzulassen.

Diese Aufläuft, dieses Geschrei, diese täglich wiederkehrenden un-abstellbaren Unordnungen erfüllten den König »üt Zorn und Furcht.Er hatte selbst in seinen finstersten Besorgnissen noch nie solche Scenengeahnt; er war erstaunt und entrüstet, daß der königlichen Majestät sogrobe Beleidigungen widerfahren konnten, und er begann nicht mehrblos für seine Macht, sondern auch für die Sicherheit oder dock wen'g-stens die Würde seiner Person und seines Lebens zu fürchten. Die nochbestürztere Königin bestürmte ibn wi! ibren Besorgnissen und Aengstcn,und sein Monarchcnstolz wie seine Gattcnzärtlichkeit konnten die Ideeeiner Gefahr oder Beleidigung für den Gegenstand seiner Liebe, dieGefährtin seines Ranges, nicht ertragen. Indem er auf allen Seitennach Stützen gegen die Menge, und Mitteln, ihre Excesse zu Verbindernoder zu bestrafen, suchte, beschloß er den, den Gemeinen ergebenenGouverneur dcs Towers, Sir William Balfour, zu entfernen und durcheinen sichern und muthigen Man» zu ersetzen. Um seinen Unmutb zu be-schwichtigen, gab er ihm 3000 Pfd. St., die durch den Verkauf einigerJuwelen der Königin aufgebracht worden waren. Sir Thomas Luns-sord, einer von den verwegensten Führern der in Witehall versammeltenKavaliere folgte ihm. Zu gleicher Zeit nahm der König einen stolzerenTon gegen das Parlament an, und versuchte seinerseits dasselbe einzu-schüchtern. Hyde hatte eine geschickte und feste Antwort auf die Be-schwerdeschrift entworfen, die Karl annahm und in seinem Namen ver-öffentlichen ließ. Das Gesetz über das Pressen der Soldaten wurde nochvon den Kammern berathen. Er kündigte aber, ehe man es vorgelegt,und in einer feierlichen Sitzung an, daß er es nur mit einer Verwah-rung gegen die Einleitung, durch welche ihm das Recht des Prcssensentzogen wurde, annehmen werde. Da die irländischen Angelegenheitennicht vorwärts gingen, forderte er die Gemeinen aus, sich damit zu be-schästigcn und erbot sich 10,000 Freiwillige auszusieben, wenn sie dieKammer zu bezahlen verspreche. Die Bischöfe vereinigte» sich, vielleichtmit seinem Vermissen, um sich über ihre Lage zu berathen; sie beschlossen,da sie an der Thür des Oberhauses von Gewaltthätigkeiten erwartet