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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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3. Buch.

Handel der fünf Parlamentsmitglieder.

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sie vor und laßt sie hängen." Einige hatten sogar gefragt:Wennkommt denn der Befehl?" als ob sie einen blutigen Vorfall erwarteten.Und diese sich schnell verbreitenden Reden hatten überall gleiche Entrü-stung erzeugt. Die fünf Mitglieder hatten sich in die City geflüchtet, dieBürger griffen plötzlich zu den Waffen; der Lord-Mayor versuchte um-sonst sie zu beruhigen; zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit bildetensich starke Patrouillen von Freiwilligen, und die ganze Nacht über zogenganze Schaaren von Lehrlingen auf den Straßen umher, und riefen vonHaus zu Haus, daß die Cavaliere kämen, um die City in Brand zustecken; Einige fügten sogar hinzu, daß der König sie kommandirenwürde.

In Whitehall war die Aufregung nicht geringer. Der König unddie Königin hatten auf diesen Staatsstreich die größten Hoffnungen ge-setzt, er war seit einiger Zeit in den geheimen häuslichen Berathungenmit ihren ergebensten Günstlingen die Beschäftigung aller ihrer Gedan-ken, der Gegenstand aller ihrer Gespräche gewesen. Noch am Morgenhatte Karl, als er von der Königin Abschied nahm, ihr versprochen,daß er in einer Stunde endlich als Herr seines Reiches zurückkehrenwürde, und die Königin, mit der Uhr in der Hand, die Minuten biszu seiner Rückkehr gezählt. Alles war gescheitert, und obgleich der Kö-nig noch auf seiner Absicht beharrte, so geschah es doch, ohne etwasdavon zu hoffen, ja selbst ohne zu wissen, wie er sie ausführen sollte.Seine verständigsten Freunde, Falkland, Hyde, Colepepper u. a. a. hiel-ten sich, beleidigt und betrübt, fern, und riethen zu nichts. Es wurdeeine Proklamation erlassen, wodurch geboten wurde, die Thüren zuschließen und durch welche an jeden Bürger das Verbot erging, denAnge-klagten Zuflucht zu gestatten; aber Niemand, selbst am Hose, täuschte sichüber die Macht solcher Befehle. Man wußte recht gut, wo die fünf Parla-mentsglieder waren, selbst das Haus in Coleman Street, worin sie sichbefanden, war bekannt, aber Niemand glaubte, daß man bis dorthindringen könne. Nur Lord Digby wollte durch seine Verwegenheit seineunklugen Rathschläge und die im Augenblicke der Anklage im Oberhausebewiesene Schwäche wieder gut machen; er erbot sich gegen den Königmit Lunsford und einigen Kavalieren, die Angeklagten persönlich ausihrem Zufluchtsorte zu holen und sie ihm todt oder lebend zu bringen.Karl wies aber, sei es nun aus einem Ueberbleibsel von Achtung fürdie Gesetze, oder aus Furchtsamkeit, den Vorschlag zurück und entschloßsich, am folgenden Tage selbst nach der City zu gehen, um feierlich vondem Communalrathe die Auslieferung der Angeklagten zu verlangen, daer sich schmeichelte, durch seine Gegenwart und gnädigen Worte dasVolk, dessen Zorn er nicht vorausgesehen hatte, besänftigen zu können.