3. Buch.
Abreise der Königin.
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ments, keine Truppen oder Kriegsvorräthe aufzunehmen; der in Uork-shire einflußreiche und begüterte Sir John Hotham mußte auf der Stelleabreisen, um den Befehl über Hüll, den Schlüssel des nördlichen Eng-lands, wo sich große Arsenale befanden, zu übernehmen. Zwei Tagedarauf beschloß endlich die Kammer, das sich in Gefahr befindende Reichohne Zeitverlust in Vertheidigungszustand zu setzen; die Lords weiger-ten sich, dieser Erklärung ihre Zustimmung zu geben, dies schadete abernichts, sie erreichte ihren Zweck, das Volk überall aufmerksam zu ma-chen, nichts destoweniger.
Die Kammer hatte guten Grund, den Krieg vorauszusehen, dennder König dachte auf weiter nichts, als sich dazu zu rüsten. In Londonwar er ohnmächtig und von Demüthigungen umgeben; kaum hatte erdie Stadt verlassen, so war er nur noch von seinen Anhängern umringt,erhielt nicht mehr täglich und stündlich den Beweis seiner Schwächeund konnte sich ohne Rückhalt der Hoffnung hingeben, den Feind, vordem er ohne Kampf geflohen war, mit bewaffneter Hand zu besiegen. Auchdie Cavaliere hatten ihren Uebermuth wieder erlangt, sie schienen denKrieg schon für erklärt zu halten und beeilten sich ihn zu beginnen. AmTage nach ihrem Abzüge erfuhr die Kammer, daß sich 200 von ihnenunter Lunsford nach Kingston, sechs Stunden von London, wo sich dieGrafschasts-Magazine befanden, geworfen, wie, um sich derselbenzu bemächtigen und sich dort festzusetzen, und daß Lord Digby sie auf-gesucht , um ihnen im Namen des Königs für ihren Eifer zu dankenund sich, sicherlich in schlimmer Absicht, mit ihnen zu verständigen. DasParlament ergriff schnell seine Maßregeln und vereitelte diese Versuche,worauf Lord Digby, um den heftigen Anklagen gegen ihn zu entgehen,über See flüchtete. Der König glaubte in Hampton Court noch zu nahebei London zu sein und begab sich nach Windsor, wohin ihm Lunsfordmit seinen Kavalieren folgte. Dort wurde in einer geheimen Bera-thung beschlossen, daß sich die Königin mit den Kronjuwelen nach Hol-land begeben, Waffen und Munition kaufen und die Fürsten des Kon-tinents um Hilfe angehen solle. Als Vorwand zu dieser Reise gebrauchteman die Nothwendigkeit, dem Prinzen von Oranien die junge Prin-zessin Henriettc Marie, mit der er sich vor sechs Monaten vermählthatte, zuzuführen. Was den König betraf, so sollte er sich unter stetenUnterhandlungen mit den Kammern allmälig nach den nördlichen Graf-schaften zurückziehen, wo seine Anhänger zahlreicher waren, in Uorkseine Residenz aufschlagen und dort Gelegenheit und Mittel zum Han-deln abwarten. Sobald Alles auf diese Art verabredet war, traf dieKönigin im tiefsten Geheimniß ihre Reisezurüstungen, und der König luddie Kammern ein, aus ihre Beschwerden zurückzukommen und sie ihmGuizot.