3. Buch.
Karl in Uork.
199
da von mir etwas verlangt, was man noch von keinem Könige geforderthat, und was ich meiner Frau und meinen Kindern nicht anvertrauenwürde." Hierauf wendete er sich zu den Kommissären der Gemeinen.„Die irländischen Angelegenheiten werden mit den Mitteln, die Ihrangewendet habt, nie in Ordnung komme». Eine Versammlung vonvierhundert Personen wird sie nie beendigen. Sie müssen einem Einzi-gen übertragen werden. Wenn man mich damit beauftragte, würde ichmeinen Kopf dafür zum Pfande setzen. Ich bin jetzt nichts als einBettler, und doch würde ich mir Geld zu verschaffen wissen, um dies zubewerkstelligen." Diese letzten Worte erweckten neues Mißtrauen, manerblickte in ihnen ein Geständniß unbekannter Hilfsquellen, die Absicht,das Parlament, indem ihm das Unglück von Irland schuldgegebenwurde, verhaßt zu machen, und endlich den Wunsch, sich alleinan der Spitze eines Heeres zu sehen, um über dasselbe nach Gutdünkenzu verfügen. Die Besprechung ging nicht weiter; die Kommissäre reistenab, der König setzte seinen Zug nach Uork fort, und langte dort ohneweiteres Ereigniß an.
Jetzt entspann sich zwischen dem Parlament und ihm ein bis dahinin Europa beispielloser Kampf, ein deutliches, ruhmvolles Zeichen der da-mals beginnenden Revolution der Gesellschaft, welche sich in unsernTagen vollendet hat. Die Unterhandlungen dauerten fort, aber ohne daßdie eine oder andere Partei etwas davon gehofft, oder sich auch nur vor-genommen hätte eine» Frieden abzuschließen. Sie wendete» sich in ihrenErklärungen und Botschaften nicht mehr an einander, sondern beide andie ganze Nation, an die öffentliche Meinung, von welcher neuen Machtjede ihre Kraft und ihren Sieg zu erwarten schien. Der Ursprung unddie Ausdehnung der königlichen Macht, die Privilegien der Kammern,die Grenzen der Treupflicht der Unterthanen, die Miliz, die Petitionen,die Verfügung über die Aemter u. s. w., wurde» zu Gegenständen einesoffiziellen Streites, worin die allgemeine» Grundsätze des Staates, dieverschiedenartige Natur der Regierungen, die Nrrechte der Freiheit, dieGeschichte, die Gesetze und Sitten von England, abwechselnd citirt, er-läutert und commentirt wurden. Mehrere Monate lang sah man sich dieWissenschaft und Vernunft zwischen die Debatten der beiden Parteienim Schoße der Kammern, und ihre Begegnung mit bewaffneter Handauf dem Schlachtfelde, drängen, so zu sagen den Lauf der Ereignisseaufhalten und alle ihre Fähigkeiten aufbieten, um der einen oder andernSache den Charakter der Rechtmäßigkeit aufzuprägen und dadurch diefreie Zustimmung des Volkes zu erlangen. Bei der Eröffnung des Par-laments hatte England keineswegs eine Revolution zu versuchen geglaubt,noch dies auch gewollt; nur die Dissidenten sannen auf eine solche in