4. Buch. Der König pflanzt seine Standarte auf. 21Z
heit dazu. Schon war in mehreren Scharmützeln Blut geflossen, schonhatte der König durch zwei gescheiterte Versuche auf Hüll und'Eoven-try dem Parlamente Anlaß gegeben, ibn zu bescbnldigen, daß er derangreifende Theil sei. Beide Parteien fürchteten diesen Vorwurf gleich,stark, beide waren bereit, für die Bebauptung ihrer Rechte Alles zuwagen, beide bebten aber vor der Verantwortlichkeit für die Zukunft;endlich am 23. August beschloß Karl, seine Unterthanen osficiell zu denWaffen zu rufen, indem er zu Nottingham die königliche Standarte auf-pflanzte. Um 6 Uhr Abends ließ er auf dem Gipfel des die Stadt be-herrschenden Hügels, von 800 Berittenen und einem schwachen Miliz-corps escortirt, zuerst seine Proklamation verlesen. Schon hatte derHerold begonnen, als sich einige Bedenken im Geiste des Königs erho-ben ; er nahm das Papier zurück, corrigirte auf seinem Knie langsameinige Stellen und gab es sodann wieder an den Herold, der die Cor-recturen nur mit Mühe lesen konnte. Die Trompeten schmetterten, dieStandarte mit dem Wablspruch: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisersist!" wurde herbeigebracht, aber man wußte weder, wo man sie befestigensollte, noch wie früher diese alte Form der Zusammenberufung der Va-sallen durch die Souveräne verrichtet worden war. Der Himmel warbewölkt, der Wind webte heftig, endlich wurde die Standarte innerhalbder Mauern des Schlosses an der Spitze eines Thurmes befestigt, wiees zum letzten Male unter König Rickard III. geschehen war. Am fol-genden Morgen fand man sie vom Winde herabgeriffen. „Warum hatman sie auch dorthin gesteckt," sagte der König, „es hätte an einem of-fenen, für Jedermann zugänglichen Orte, aber nickt in einem Gefäng-nisse geschehen sollen!" und ließ sie aus dem Sckloffe in den Park brin-gen. Als sie die Herolde in die Erde stoßen wollten, bemerkten sie, daßsie auf harten Felsen standen. Sie gruben mit ihren Dolchen ein klei-nes Loch aus, um die Fahnenstange darin zu befestigen, aber es hieltnickt, und mehrere Stunden lang war man genöthigt, sie mit den Armenaufrecht zu erhalten. Die Beistehenden entfernten sich, von düstern Ah-nungen beunruhigt. Der König brachte mehrere Tage in Nottingham zuund erwartete vergeblich, daß das Land seinem Aufrufe entsprechenwerde. Das sich nur wenige Stunden von da in Northampton bildendeHeer des Parlaments war schon mehrere Regimenter stark. „Wenn sieeinen Handstreich versucken wollen," sagte der Generalmajor der könig-lichen Truppen, Sir Jacob Astley, „so kann ich nicht verbürgen, daßder König nickt in seinem Bette aufgehoben wird." Einige Mitgliederseines Rathes drangen in ihn, nock eine Unterhandlung zu versuchen.„Wie, schon jetzt?" sagte er; „zu Anfang des Krieges, selbst ebe ernoch begonnen hat." Man bestand daraus, indem man sich auf seine