4. Buch.
Charakter des Krieges.
221
zu stellen, kam man auf den Gedanken, nicht das Parlament, sondernden König durch den Communalrath darum ersuchen zu lassen, so daßauf den König die Last der Antwort fiel, die nicht ermangeln konnte, denBürgern zu mißfallen. Mit Zustimmung der Kammern begab sich eineDeputation des Communalrathes »ach Oxford. Der König lächelte, alssie in ihn drang, nach London zurückzukehren und die Tumulte zu unter-drücken versprach. „Ihr könnt," sagte er, „den Frieden dort nicht fürEuch selbst erhalten," sendete die Abgeordneten mit dieser Antwort zu-rück und ließ sie von einem Edelmann begleiten, der den Auftrag erhielt,dieselbe in seinem Namen der Generalversammlung der City vorzulegen.Dieser wohnte eine ungeheure Menschenmenge bei, und auch Lord Man-chester und Mr. Pym begaben sich dorthin, um im Namen des Parla-ments die Anschuldigungen des Königs zurückzuweisen. Beim Anblickedieser lärmenden Menge gerieth der Commiffär des Königs in Furcht,und wollte die Botschaft nicht selbst verlesen, indem er sich auf dieSchwäche seiner Stimme berief. Zur Erfüllung seines Auftrages aus-gefordert, gehorchte er, und wurde sogar genöthigt, die Antwort zweimal,in zwei verschiedenen Sälen, zu lesen, damit sie auch Alle hören sollten.Bei der zweiten Verlesung wagten einige schüchtern an der Thür ste-hende Noyalisten einige Beifallsrufe laut werden zu lassen, die aberschnell durch heftiges Murren erstickt wurden. Das Schreiben des Kö-nigs war lang und bitter und mit Vorwürfen angefüllt, die keinenWunsch nach Frieden verriethen. Pym und Lord Manchester antwortetendarauf; von allen Seiten erhob sich das Geschrei: „Wir wollen mit ih-nen leben und sterben!" und die Petitionen um Frieden waren auf eineZeitlang unterdrückt. Die Versuche der royalistischen Partei hatten nieein anderes Resultat, aber sie erneuerten sich unablässig, sie erhieltenWestminster wie die City in steter Besorgniß; noch dachte Niemand daran,ihnen die äußersten Uebergriffe der Tyrannei entgegenzustellen, die den Par-teien auf kurze Zeit die Allmacht verschaffen, welche sie aber bald mit langenNiederlagen bezahlen müssen, und das Parlament konnte, während essich bemühte, gegen dieses innere Uebel anzukämpfen, weder seine ganzeEnergie nach Außen wenden, noch sie frei auf andere Kämpfe lenken.
I» den Grafschaften war es anders. Dort waren die Parteiendurch nichts beengt, und die Berechnungen der Politik regelten, oder un-terdrückten die Leidenschaften nicht. Während in der Umgegend vonLondon, der Krieg zwischen dem König und dem Parlament ins Stockengerathen zu sein schien, wurde er anderwärts zwischen der parlamenta-rischen Partei und den Noyalisten, lebhaft und offen, auf eigne Rechnungeines jeden Ortes, und fast ohne Rücksicht aus das, was in Oxford undder City geschah, fortgesetzt. Kaum waren einige Monate vergangen