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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Lage der Parteien.

5. Buch.

Die so von entgegengesetzten Ansichten bewegte, abwechselnd gebie-terische, fanatische und gemäßigte presbyterianii'che Partei besaß nichteinmal aus ibre» Reihen hervorgegangene und stets von den ihren ent-sprechenden Gefüblen geleitete Häupter; sie folgte den politischen Re-formatoren, den ersten Dollmetschern und wahren Vertretern der natio-nalen Bewegung, Das Bündniß mit ibnen war der Partei natürlichund nothwendig; natürlich, denn Jene wollten, gleich ihr, die Regierungverbessern, aber nicht sie abschaffen, nothwendig, denn sie waren imBesitz der Gewalt und behauptete» dieselbe durch die Ueberlegenheit ibresRanges, ihres Reichthums, ihrer Kenntnisse, Vorzüge, an deren Bestrei-tung selbst die eifrigsten Presbyterianer nicht dachten. Wenn die poli-tischen Reformatoren aber auch die Unterstützung derScktircr annahmen,ja im Notbfall selbst durch große Zugeständnisse erkauften, theilten dochdie Wenigsten von ibnen in kirchlicher Hinsicht ihre Vorstellungen undAbsichten. Ein gemäßigtes aus die den Gesetzen entsprechende Verwal-tung der geistlichen Angelegenheiten bcrabgebrachtcs Episkopat würdeibnen mehr zugesagt haben, und sie bedienten sich des presbytcrianischcnSystems nur mit Widerstreben, und indem sie sich unter der Hand be-mühten, dessen Fortschritte zu hemmen. Die Energie der Parteiwurde also in der religiösen Revolution durch Führer abgelenkt, welchesie jedoch weder verlassen konnte, noch wollte, und die Verbindung Beiderwar nur in Beziehung auf die politische Reform, d. h. in der Sache,wo die Häupter und die Partei weder unlenkbare Leidenschaften befrie-digen, noch absoluten Grundsätzen den Sieg verschaffen wollten, voll-ständig und aufrichtig.

Zu Ende des Jahres 1643 war nun die politische Reform, wenig-stens die gesetzmäßige, vollendet; die Mißbränche existirtcn nicht mebr,man hatte alle Gesetze, die man für nothwendig hielt, gegeben und dieStaatscinrichtungen, so gut man es verstand, umgebildet; dem Werkewelches die Vertheidiger der alten Freiheiten eben so gut wie diepresbyterianischen Sektircr wollten und gemeinschaftlich ausführen konn-ten , fehlte nichts weiter. Aber die religiöse Revolution hatte kaum be-gonnen, und die schwankende und ungesicherte politische Reform drohtesich in eine Revolution zu verwandeln. Es näherte sich also der Au-genblick . wo die inneren Gebrechen der bis jetzt herrschenden Parrci, derMangel an Zusammenbang in ihren Bestandtheilen, Grundsätzen undPlänen unfehlbar zum Ausbruch kommen mußten. Sie war täglich ge-nötkigt, nach entgegengesetzten Richtungen hinzugehen, sich selbst widerspre-chende Anstrengungen z» machen. Was sie in der Kirche verlangte,wies sie im Staate von sich. Sie mußte unabläßig ihre Stellung undRedeweise verändern und bald die demokratischen Grundsätze und Lei-