Unterhandlungen zu Uxbiidge.
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5. Buch.
Am 29. Jan. kamen die Unterhändler, von gutem Willen und Hoffnungerfüllt, in Uxbridge an.
Sie begrüßten sich gegenseitig auf das Höflichste und Freundlichste.Alle kannten fich seit langer Zeit, Mehrere von ihnen waren vor jenenunglücklichen Zwistigkeiten durch Freundschaft verbunden gewesen. AmAbend ihrer Ankunft besuchten Hyde, Colepepper, Palmer, Whitelocke,Helles, Pierpoint, einander ohne Umstände und wünschten sich Glück,zusammen an dem Frieden ihres Vaterlandes zu arbeiten. Man be-merkte jedoch bei den Kommissären von Westminster etwas größere Ver-legenheit und Zurückhaltung, da sie das Joch eines weit härteren undmißtrauischeren Herrn trugen. Die Unterhandlungen sollten zwanzigTage dauern und besonders die Religion, die Miliz und Irland zumGegenstände haben. Man kam übercin, jede von den Fragen drei Tagelang zu besprechen, fie dann aber abwechselnd wieder aufzunehmen. Solange es sich nur um diese vorläufigen Anordnungen handelte, ging Allesgut, das Vertrauen war vollkommen und die Höflichkeit ausgesucht; alsaber endlich die officiclle Diskussion begann, erschienen an dem vierecki-gen Tische, woran sich die Unterhändler niederließen, alle Schwierigkei-ten von Neuem. Jede von den Parlamentsparteien hatte ihr Haupt-Interesse, von dem sie nichts nachgeben wollte: die Presbyterianerdie bevorrechtete Einführung ihrer Kirche, die Politiker den Befehl überdie Miliz, die Jndependenten die Gewissensfreiheit, und der König, derAllen nachgeben mußte, erhielt von keiner andere Zugeständnisse, alssolche, welche die Uebrigen hartnäckig abschlugen. Beide Parteien frag-ten sich überdies, ob nach geschlossenem Frieden die Gewalt in ihrenHänden sein würde, denn weder die Eine noch die Andere wollte umeinen andern Preis unterhandeln. Die zuerst über die Religion eröff-nete Berathung nahm bald den Charakter einer theologischen kontroversean; man polemisirte statt zu unterhandeln, es lag Allen mehr am HerzenRecht zu haben, als Frieden zu schließen. Allmälig wurde das so wohl-wollend begonnene Verhältniß bitterer, und diese Bitterkeit drang selbstbis in die vertrauten Unterredungen, wodurch einige von den Unterhänd-lern zuweilen die Hindernisse, von denen sie aufgehalten worden waren,heben wollten. Unter den Oxforder Kommissären wurde besondersHyde von denen von Westminster, die ihn als einen verständigen undbeim Könige angesehene» Mann kannten, aufgesucht. Der schottischeKanzler Lord Lowden und die Grafen Pembroke und Denbigh unter-hielten sich lange und offenherzig mit ihm über die Gefahren der Zu-kunft, die im Parlament zählenden finstern Pläne und die Nothwendig-keit, daß der König bedeutend nachgebe, um Alles zu retten. Hyde nahmdiese Mittheilungen gern auf, aber seine reizbare Eigenliebe, sein hoch-