6. Buch.
Schlacht bei Naseby.
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Truppen zu sammeln und Diejenigen, welche ihm in Kurzem, theils aus Wa-les, theils aus den westlichen Grafschaften zukommen sollten, zu erwarten.Am folgenden Tage, zur Zeit des Abendessens, war seine Sorglosigkeit nocheben so groß und er dachte gar nicht daran eine Schlacht zu liefern.Man berichtete ihm aber, daß seine Nachhut von Parlamentsschwadronenbeunruhigt werde. Cromwell befand sich seit einigen Stunden beimHeere. Sofort wurde ein Kriegsrath einberufen und gegen Mitternachtdrang Prinz Rupert, trotz des Widerstrebens mehrerer Offnere, welcheforderten, daß man die Verstärkungen abwarten sollte, mit seinem Vor-schlage sich schleunig zurückzubegeben und dem Feinde entgegenzu-gehen, durch.
Das Treffen begann am folgenden Morgen aus der Ebene vonNaseby, nordwestlich von Northampton. Bei Tagesanbruch befand sichdas königliche Heer aus einer kleinen Anhöhe in günstiger Stellung inSchlachtordnung. Zum Recognosciren der Parlamentstruppen ausge-schickte Plänkler kehrten nach zwei Stunden zurück und sagten, daß sienichts von diesen sähen. Rupert gerieth in Ungeduld und ging selbstmit einigen Schwadronen ab, um sie auszusuchen. Unterdessen, kam manüberein. sollte das königliche Heer unbeweglich bleiben. Kaum war ereine halbe Stunde weit gekommen, als die feindliche Avantgarde, dieselbst auf dem Marsch gegen die Cavaliere war, erschien. Der Prinzglaubte in seinem Ungestüm zu bemerken, daß sie sich zurückzöge, undfuhr fort vorwärts zu bringen, indem er dem König sagen ließ, eilig zuihm zu stoßen, damit ihnen der Feind nicht entgehe. Gegen zehn Uhrlangten die Royalisten, von der Schnelligkeit ihrer Bewegungen etwasin Unordnung gerathen, an und sogleich stürzte sich Rupert an der Spitzeder Cavalerie des rechten Flügels auf den linkenFlügel der Parlaments-truppen unter Jreton, der später Cromwell's Schwiegersohn wurde. Fastim gleichen Augenblicke griff Cromwell, dessen Schwadronen auf demrechten Flügel standen, den aus Kavalieren der nordischen Grafschaftenbestehenden linken Flügel des Königs unter Sir Marmaduke Langdalean und wenige Augenblicke darauf kam das im Centrum stehende Fuß-volk beider Heere einerseits unter Fairsax und Skippon, andrerseits unterden Befehlen des Königs selbst, ebenfalls zum Handgemenge. Noch keineSchlacht war so schnell allgemein oder so leidenschaftlich erbittert gewesen.Die beiden Heere waren fast von gleicher Zahl. Die von Zuversichttrunkenen Cavaliere hatten das Losungswort: Königin Marie! die^glau-bensfesten Parlamentssoldaten rückten unter dem Gesänge: Gott mituns! vor. Prinz Rupert machte seinen ersten Angriff mit gewohntemGlück; nach einem lebhaften Handgemenge wurden Jreton's Schwadronendurchbrochen und Jreton selbst fiel mit gequetschter Schulter und
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