330
Unruhe der JnLependenten.
7. Buch.
seine Person zu verfügen und daß er ohne Verzug nach dem SchlöffeWacwick geführt werden solle. Die Lords weigerten sich zu die-sem Beschlusse ihre Beistimmung zu geben, aber sie billigten, daßPoyntz, der bei Newark in Cantonnirungen lag, den Befehl erhielt, alleBewegungen des schottischen Heeres zu beobachten und Fairfax selbstwurde benachrichtigt, daß er sich für den Nothfall schlagfertig haltenmüsse.
Den Schotten ihrerseits war an baldiger Entfernung gelegen, siebewogen den König noch am Tage seiner Ankunft, dem Gouverneurvon Newark, Lord Bellasis, zu befehlen ihnen seine Thore zu öffnen,übergaben die Stadt den Truppen unter Poyntz und brachen einigeStunden später nach Newcastle, an der Grenze ihres Landes auf, indemsie den König bei ihrer Vorhut mit sich führten.
Die Jndependentenpartei war von zorniger Angst erfüllt. Seiteinem Jahre war ihr Alles gelungen. Als Herrin der Armee hatte sieüberall gesiegt und durch ihre Siege die Einbildungskraft des Volkesmächtig in Anspruch genommen. Zu ihrer Fahne drängten sich alle kühnenGeister, von energischem Ehrgeiz oder überspannten Hoffnungen. belebteMänner, Jeder, der sein Glück machen wollte, oder übermäßige Wünschehegte, oder irgend einen großen Plan vorhatte. Selbst das Genie fandnur unter ihren Reihen eine Stelle und einen freien Wirkungskreis.Milton (geb. 1608) der noch jung war, sich aber schon durch die Eleganzund den Umfang seines Wissens bekannt gemacht, halte mit einem bis-her unbekannten Adel der Sprache die Freiheit des Gewissens, die Frei-heit der Presse und die Befugniß zur Ehescheidung zu fordern begonnenund der über seine Kühnheit entrüstete presbyterianische Klerus ihn ohneErfolg bei den Kammern denuncirt, und die Duldung derartiger Schrif-ten unter die Zahl ihrer Sünden gerechnet. Ein Anderer, der schondurch seinen leidenschaftlichen Widerstand gegen die Tyrannei be-kannt war, John Lilburue, begann seinen unermüdlichen Krieg gegendie Lords, die Richter und Advokaten und schon verknüpfte sich mitseinem Namen die lärmendste Volksbeliebtheit. Die Anzahl und dieZuversicht der Dissidentengemeinden, die sich alle den Jndepcndentenangeschlossen hatten, wuchs mit jedem Tage. Umsonst hatten endlich diePresbyterianer vom Parlamente die ausschließliche, officielle Einführungihrer Kirche verlangt; den Jndepcndenten, von den Advokaten und Frei-denkern unterstützt, war es gelungen, die Oberherrlichkeit des Parla-ments in Religionssachen zu behaupten und die so geschwächte Maßregelwurde nur langsam ausgeführt. Zugleich wurde die persönliche Stellungder Parteiführer, besonders Cromwell's, zusehends größer; wenn sievom Heere nach Westminster kamen, so wurden sie von den beiden Häu-