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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Parlament und Heer.

7. Buch.

Spiel setzen als zur Gewalt greifen. Endlich berief er einen Kriegsrath.in welchem die Ofsiciere, mit Ausnahme von Sechs, erklärten: dieParlamentsbefchlüffe seien nicht befriedigend; ohne sichere Bürgschaftkönnten die Truppen nicht entlassen werden; das Heer werde seine Can-tonnements enger zusammenziehen, einen allgemeinen Sammelplatz be-stimmen, um die Befürchtungen der Soldaten zu beschwichtigen unddurch eine ehrerbietige Vorstellung des Kriegsrathes das Parlamentdavon in Kenntniß setzen.

Jede längere Täuschung war jetzt unmöglich; die Kammern, derenAnsehen auf eine so kecke Art mißachtet worden, konnten ohne fremdeHilfe nichts mehr ausrichten; gegen solche Feinde bedurften sie einerstärkeren Gewalt als ihres bloßen Namens, einer festeren Stütze alsdes Gesetzes. Niemand als der König auf der einen, und die City, die,noch immer presbyterianisch gesinnt, nahe daran war, sich dem Royalis-mus zuzuwenden, auf der andern Seite, konnte ihnen diese gewähren.Man hatte bereits zu diesem Zwecke einige Maßregeln ergriffen; imEinvernehmen mit dem Communalrath war den Jndependenten vomParlament der Befehl über die Miliz entzogen und einem aus Presby-terianern bestehenden Comite übertragen, an die Thore des Parlamentseine stärkere Wache postirt und die Kosten ihres Unterhalts um 12,000Pfd. St. erhöht worden; die Ofsieiere außer Dienst, die treuen Ueber-bleibsel der Effex'schen Armee, wohnten frei und in großer Anzahl inder City. Zur großen Betrübniß der Partei war Effex nicht mehr unterden Lebenden; unerwartet war er gegen das Ende des abgelaufenenJahres nach einer Jagdpartie im nämlichen Augenblicke gestorben, woer, wie man glaubte, sich zur nachdrücklichen Verwendung für den Friedenrüstete. Den Prcsbyterianern erschien sein Tod als ein Ereigniß vonso nachtheiligen Folgen, daß sich das Gerücht verbreitete, er sei vonihren Feinden vergiftet worden. Waller, Poyntz und Massey hingegenwaren voll Eifer und völlig bereit sich für sie zu erklären. In Betreffdes Königs mußte das Parlament fürchten, daß er ihm weniger geneigtsei, zweimal hatte es ihm mit der trockenen Strenge des Glaubens-hasses den Dienst seiner Kaplane verweigert, und zwei presbyterianischeGeistliche, Marshall und Caryll hielten in Holmby feierlichen Gottes-dienst nach ihrem Kultus, obschon Karl sich demselben stets entzog; seinevertrautesten Diener waren von ihm entfernt und jeder Versuch, mitseiner Gemahlin, seinen Kindern oder seinen Freunden im Auslande inBriefwechsel zu treten, mit Härte vereitelt worden; kaum war es selbsteinem der Commissäre des schottischen Parlaments, Lord Dumferline,gelungen, die Erlaubniß zu einer Unterredung mit ihm zu bekommen;endlich hatte er noch vor Kurzem (12. Mai) auf die Vorschläge, welche