Buch 
Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
Entstehung
Seite
420
JPEG-Download
 

420

Letzter Versuch der Presbyterianer

6. Buch.

Aus diese Nachrichten ließen die Presbyterianer ihrer Entrüstungfreien Lauf.Das Haus," riefen sie,hat dem König während seinesAufenthaltes in Newport Ehrerbietung, Sicherheit und Freiheit ver-bürgt, es ist entehrt und verloren, wenn es diese insolente Empörungnicht glänzend zurückweist." In der That votirte man, daß die Entfüh-rung des Königs ohne Wissen und Willen des Hauses stattgefundenhabe und nahm die Debatte über den Frieden mit verdoppelter Leiden-schaftlichkeit wieder auf. Sie dauerte schon länger als zwölf Stunden;die Nacht war weit vorgerückt, die Versammlung war noch zahlreich,aber schon begann die Müdigkeit den Eifer der Schwachen und Greisezu erkälten, es erhob sich ein unter den Märtyrern der öffentlichen Frei-heiten berühmter Mann, der jedoch erst seit drei Wochen im Parlamentesaß, derselbe Prynne, der vor zwölf Jahren den schwersten Kampf gegendie Tyrannei Land's und des Hofes bestanden hatte.Herr Sprecher,"sagte er, «man weiß, daß ich für den Frieden reden will und schon be-schuldigt man mich der Abtrünnigkeit, schon nennt man mich mit An-spielung auf den Titel eines meiner Werke, den königlichen Günstling.Ich werde Euch sagen, welche Gunstbezengungen ich je von Sr. Maje-stät oder der königlichen Partei erhalten habe. Sie haben mir zweimalund auf das Barbarischste die Ohren abschneiden lassen, sie haben michdreimal auf zwei Stunden an den Pranger gestellt, sie haben meineWerke, obgleich sie censirt waren, vor meinen Augen durch Henkershandverbrennen lassen, sie haben mir zwei Geldstrafen von 5000 Pfd. jedeauferlegt, sie haben mich acht Jahre lang ohne Feder, ohne Tinte, ohnePapier, außer der Bibel ohne Bücher, ohne Freunde und kaum mit denzu meinem Lebensunterhalt unumgänglichsten Nahrungsmitteln im Ge-fängnisse schmachten lassen, .. . wenn noch irgend ein Mitglied diesesHauses um jene Zeichen der königlichen Gunst beneidet, so will ich glau-ben , daß es mich nicht ohne Grund als Apostat oder Günstling behan-delt." Sodann sprach er mehrere Stunden lang, zog alle Vorschlägedes Königs, alle Ansprüche des Heeres bis in die geringfügigsten Ein-zelheiten in Betracht und zeigte abwechselnd die Lage des Parlamentsund des Landes aus allen ihren verschiedenen Gesichtspunkten, mit einemErnste ohne Pedanterie, einer Eindringlichkeit ohne Zorn, und offenbardurch die Energie und die Uneigennüßigkeit seines Gewissens über dieLeidenschaften seiner Sekte, die Mangel seines eigenen Charakters unddie gewöhnliche Tragweite seines Talents erhoben.Herr Sprecher,"schloß er ,man giebt vor, daß wir verloren seien, wenn wir die Armeemißvergnügt machen, einer ihrer Anführer hat uns vor Kurzem erklärt,daß sie die Waffen niederlegen und uns nicht länger dienen würde,und was, heißt es, wird dann aus uns und unsern treuen Freunden