8. Buch.
Prozeß des Königs.
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Unter den Richtern und Zuhörern verbreitete fich eine heftige Be-wegung. Freunde wie Feinde suchten zu errathen, in welcher Absichtder König diese Konferenz mit den beiden Kammern verlange, und waser ihnen vorzuschlagen haben könne. Es waren tausend Gerüchte dar-über in Umlauf. Die Meisten schienen zu glauben, daß er fich erbietenwolle, der Krone zu Gunsten seines Sohnes zu entsagen. Wie demaber auch sein mochte, so war doch die Verlegenheit des Gerichtshofesungemein groß; die Partei suhlte sich trotz ihres Sieges doch nicht dar-auf vorbereitet, Zeit zu verlieren, oder sich neuen Zufällen auszusetzen;selbst unter den Richtern machte fich einige Erschütterung bemerklich.Um der Gefahr zu entgehen, behauptete Bradshaw, daß das Verlangendes Königs nur ein Kunstgriff sei, um der Gerichtsbarkeit des Hofesnoch zu entrinnen und es erhob sich zwischen ihnen über diesen Gegen,stand eine lange spitzfindige Debatte. Karl bestand mit jedem Malelebhafter darauf, angehört zu werden, aber mit jedem Male wurdenauch die Soldaten um ihn her lärmender und beschimpfender; die Einenzündeten ihre Pfeifen an und bliesen ihm den Dampf in's Gesicht; dieAndern murrten in gemeinen Ausdrücken über die Langsamkeit des Pro-zesses. Axtell lachte und witzelte laut. Umsonst wendete fich der Kö-nig zu wiederholten Malen gegen sie und suchte bald durch Geberden,bald durch Worte auf einige Augenblicke ihre Aufmerksamkeit zu erre-gen, oder sie wenigstens zum Schweigen zu bringen, man antworteteihm mit dem Geschrei: „Gerechtigkeit, Hinrichtung!" Bestürzt undfast außer sich, rief er endlich mit leidenschaftlichem Tone: „Hört mich!Hört mich!" aber dasselbe Geschrei begann von Neuem; jetzt gab sichindeß eine unerwartete Bewegung unter den Gerichtsbeisitzern kund.Eines von den Mitgliedern, der Oberst Downs. bewegte sich auf seinemSitze hin und her; umsonst bemühten sich seine beiden Nachbarn, Caw-ley und der Oberst Wanton, ihn zurückzuhalten. „Haben wir dennsteinerne Herzen?" sagte er, „find wir Menschen?" — „Ihr werdet unsund Euch mit uns ins Verderben stürzen," sagte Cawley. — „Es thutnichts," antwortete Downs, „ich muß es thun und wenn ich darübersterben müßte." Auf diese Worte wendete sich Cromwell, der unter ihmsaß, plötzlich um und sagte: „Oberst, seid Ihr bei Verstände? Worandenkt Ihr? Könnt Ihr Euch denn nicht ruhig halten?" — „Nein,"entgegnete Downs. „ich kann mich nicht ruhig halten." Er erhob sichdaraus sogleich und sprach zu dem Präsidenten: „Mplord, mein Ge-wissen ist nicht erleuchtet genug, um mir das Zurückweisen der Forde-rung des Gefangenen zu gestatten. Ich bitte, daß der Gerichtshofsich zurückziehen möge, um darüber zu berathen." — „Da es eines vonden Mitgliedern wünscht," antwortete Bradshaw ernsthaft, „muß fich der