Vorrede.
In der Baukunst habe ich die Grundsätze aufgestellt, nach welchen Griechenund Römer in den glänzendsten Perioden ihre Baue führten. Zehn Jahredarauf folgte die Geschichte der Baukunst bei den Alten, worin ich dieAnfänge, die Fortschritte, die Hohe, das allmählige Sinken und den Verfalldieser Kunst entwickelte. Es blieb noch eine dritte Arbeit: die Darstel-lung der Gebäude selbst.
In der Geschichte der Baukunst konnte ich die Gebäude in der Zeit-ordnung, wie sie vorkamen, nur nach ihrem historischen Charakter auffiih-ren. In der Darstellung der Gebäude aber kommt es nicht so viel auf dasGeschichtliche der einzelnen Bauwerke an, als auf die Grundsätze, Formenund Einrichtungen, welche jeder Gattung und Art von Gebäuden als eigen-thümlich zum Grunde liegen. Solche Einrichtungen erlitten nach der Zeit-folge mannigfache Abänderungen; und erst vielfältige Erfahrungen konntendas Bessere und Vorzüglichere in den Anlagen begründen, und die Gesetzefestsetzen, nach denen man sich zu benehmen« hatte. Diesen Gesetzen inder Anlage nachzuspüren, wie sie sich in der blühensten Epoche der grie-chisch-römischen Kunst geltend machten, ist hier der Zweck. Rücksichtauf die Erfordernisse, Rücksicht auf die Formen, welche den Erfordernissenin einem gegebenen Falle am vollkommensten entsprechen, Rücksicht aufdie Verhältnisse und den Charakter jeder Art von Anlagen sind hier dieallgemeinen und ersten Bedingungen. Das Clima , das Oertliche, das Ge-bräuchliche und Herkömmliche, so wie religiöse und bürgerliche Einrich-tungen, Erziehung, Lebensweise, Spiele und Erholungen, Vermögensumständeund selbst das Material üben hierauf entschiedenen Einflufs, und bewirkenmehr oder weniger bedeutende Abänderungen; und ein Gleiches thut dieZeit. Was man für zweckmäfsig und bequem zu einer Zeit hielt, ist esnicht mehr für eine andere. Was für die Väter anständig und selbst pracht-voll galt, ist es nicht mehr für die Söhne und Enkel. Die Zeit führt eineSteigerung der Bedürfnisse, und hiemit eine Verfeinerung in den Formen,in den Anlagen, in den Verhältnissen und in den Zierden herbei. EineDarstellung der verschiedenen Gattungen der Gebäude in den glänzendstenPerioden der Griechen und Römer würde also nicht genügen, wenn dabei
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