2 6
I. Abschnitt.
Seite». An den Stirnen dieser Balkenköpfe entlang ist eine Breterverklei-dung anzunageln und darüber das Giebelfeld entweder in Mauerwerk, oderin Holz anzulegen, und über dem Giebel die Firste, die Sparren und Fettenso zu richten, dafs der Abhang dem Drittel des fertigen Daches entspricht.“
Dieser Beschreibung gemäfs sind die vorliegenden Risse (Taf. XYIL5. 6.) entworfen, und in Hinsicht der Erläuterungen beziehe ich mich aufmeine frühem Aufsätze (Siehe das Berliner Baujournal Jahrg. 1799, I. undII. Heft, dann Jahrg. 1801. II. Heft, 4. Brief), und was ich in meiner Baurhunst darüber beibrachte. Einsprüche dagegen suchten wir allda aufs mög-lichste zu beseitigen. In Rücksicht der Deckenbalken verbleibe ich bei derfrüher vorgeschlagenen Abänderung im Texte, nämlich dafs projecturae an-statt trajecturae, und trajiciantur anstatt projiciantur zu lesen sey. So fal-len nicht nur die frühem Ungereimtheiten weg, sondern auch ein Wesent-liches, die Balkenlegung, wird dadurch bestimmt.
In Rücksicht der Giebelhöhe, wovon die Dachfläche abhängt, undworüber die Worte des Textes mich früher schwanken liefsen, bin ich jetztder Meinung, dafs das Maafs der Giebelhöhe nur durch die Grundfläche desDaches zu bestimmen sey, so wie Yitruv (5, 5. S. 12.; dies in Hinsichtdes Ionischen Tempelbaues gethan hat. Dort bestimmt er die Giebelhöheauf ein Neuntel der ganzen Länge des Kranzleistens, bei dem Toskanischenauf ein Drittel des fertigen Daches. Wäre aber dies hier von dem Drittelder ganzen Grundfläche des Daches zu verstehen; so würde sich eine Gie-belhöhe ergeben, die selbst der Säulenhöhe gleich käme, -was eine neue Un-gereimtheit wäre. Da nun der Autor hier das Wort Stillicidium gebraucht,und das Stillicidium — die schräge Dachfläche, worüber der Regen herab-'rieselt, doppelt ist; so bin ich der Meinung: Yitruv habe hiedurch nurdas Drittel von der Hälfte der Grundfläche des fertigen Daches, das zurHöhe des Giebels zu nehmen sey, andeuten wollen; welches einem Sechstelder ganzen Grundfläche entsprechen würde. Dieses Maafs ist gegen dasNeuntel bei dem Ionischen Bau noch immer beträchtlich. Bedenkt manaber, dafs der Toskanische Tempel Araeostylos war, und also im Verhält-nifs des Ionischen Tempels immer sehr breit ausfiel; so war es wohl na-türlich, für die breitem Dachflächen auch einen hohem Giebel anzunehmenDaher bemerkt auch Yitruv (3, s . S. 5-). dafs der Toskanische Tempel ge-spreizt, schwerköpfig, niedrig und breit aussehe. — Dies ist die einzigeBesserung meiner Zeichnung, wozu ich mich durch Gründe bewogen finde.