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L Abschnitt .
Hier treten die Gesetze ein: je gröfser der Rundbau, desto geringe*im Verhältnifs die Vorlage der Halle, und umgekehrt: je geringer derRundbau, desto ansehnlicher im Verhältnifs d*r Vorbau. Hier geben de*Penpteros des Vitruv, und das Pantheon wieder die Beispiele von denbeiden Aeufsersten. Bei dem erstem haben die Säulen die Höhe der Zel-lenmauer, von welcher sie nur eine Zwischen weite abstehen. Bei demPantheon dagegen beträgt die Tiefe der Vorlage die Hälfte von dem Durch-messer des innern Saales, die Breite vier Fünftel desselben, und die Höhebis zur Spitze des Giebels kaum ein Viertel mehr als die halbe Höhe desRundbaues.
Wahrscheinlich haben die alten Architekten auch eine Art Schemahierüber ausgedacht, um nach der Gröfse der Rundbaue das passende undschöne Verhältnifs der Vorhallen in Tiefe, Breite und Höhe nicht zu ver-fehlen. Wir begnügen uns hier mit Vorlegung einer Zeichnung von einemsolchen Rundbaue kleinerer Art, dessen Vorbau blofe in einem Prostylostetrastylos besteht mit zwei Säulenreihen nach der Tiefe, oder wer es vor-zieht mit vorspringenden Anten. — Das Innere hat drei Nischen für dreiverschiedene Gottheiten bestimmt, so wie deren das Pantheon sieben hat(Taf. XVIF. 13. und 14.).
Bei mittlern Gröfsen kann ein Prostylos hexastylos eintreten, undbei den gröbsten, so wie bei dem Pantheon, ein Prostylos octastylos mitdrei Säulenreihen nach der Tiefe.
Was ich hier über die runden Tempelbaue gröfserer Art bemerkte,gebe ich blofs als Fingerzeig, um' das Nachdenken der neueren Architektenzu wecken, wenn ähnliche runde Baue zu führen Vorkommen. Denn lei-der ist bis jetzt hierin wenig Erspriefsliches geschehen. Die Einführungder Kuppeln mit der hohen Elipse seit dem Mittelalter hat die richtigenAnsichten über den Rundbau der Alten ganz getrübt,
§, 20. Was wir bis jetzt über den Tempelbau vortrugen, betriffthauptsächlich dasjenige, was unsVitruv darüber lehr*. Allein wenn gleichunser Aütor die wesentlichsten Lehren hierüber anzugeben nicht versäumte;so können wir sie jedoch flicht vollständig nennen, wie die eben abgehan-delten Rundbaue darthun. Es kommt aber in den Monumenten noch somanches Abweichende vor, dafs wir das Wesentliche hievon nicht unbe-rücksichtigt lassen können, obwohl wir nicht vergafsen, in der Geschichtedarauf aufmerksam zu machen.