Band 
Dritter Band.
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I. Abschnitt .

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eigenthümliche Durchsichtigkeit jedem Kinde seit Jahrhunderten bekanntwar, wenn nicht in Fensterscheiben, doch irgend in einer andern Form,was hier nichts zur Sache thut? Man schelte den Seneca als einenphilosophischen Rhetor, der gerne schöne Phrasen macht \ so wird dochkeiner behaupten wollen, dafs er die Phrasenmacherei so weit getriebenhaben sollte. Endlich sollte Seneca sich haben beigehen lassen, denRömern eine Strafpredigt über die Glasscheiben für Fenster zu halten zueiner Zeit, wo schon der lapis specularis zu einem solchen Gebrauche be-kannt war? Oder sollten die Alten erst gelernt haben, Glasscheiben in dieFenster einzusetzen, nachdem man zuvor schon den lapis specularis dazuangewandt hatte? Risum teneatis amicil

Aber warum der Gebrauch des Frauenglases für Fenster, wenn manschon früher das Kunstglas dazu kannte? - Hiezu mochte allerdings dieSeltenheit und der Luxus beitragen. Allein das Frauenglas scheint auchwirklich einen reellen Vorzug vor dem Kunstglas behauptet zu haben,nämlich den, auf welchen Philo anzuspielen scheint: dafs jenes nicht blofsLicht gebe, sondern auch den Wind und die Sonnenhitze abhalte. Isthauptsächlich letzteres der Fall, nämlich dafs die Sonnenstralen nicht durch-dringen , so ist dies ein grofser Vorzug über die Glasscheiben. Es sey mirerlaubt, hiebei zu bemerken, dafs jetzt noch in abgelegenen Gegenden zuFlorenz , wo die Seidenwicklerinnen zu wohnen pflegen, Fenster von Papier häufig sind, blofs damit die Sonnenstralen nicht durchdringen. Auch ver-dienen die Worte des Plinius ( 36 , 45*) bemerkt zu werden, wo er vondem lapis specularis sagt:candido natura mira, cum sit mollitia nota, per-petiendi soles rigoresque; nec senescit, si modo injuria non arsit.

Was das Frauenglas zu unserer Zeit betrifft, so wird dasselbe nachunsern mineralogischen Handbüchern noch häufig gefunden, an vielen Ortenin Deutschland , in der Schweiz , Italien , Sicilien , Frankreich , Spanien , Eng-land, in Sibirien , Persien , in Nordamerika . Sein vorzüglicher Gebrauchist jetzt auf Schiffen, weif seine Weichheit (moliida, Elasticität) es gegendie Erschütterungen bei dem Abfeuern der Kanonen schützt, wo dagegendie Scheiben von Kunstglas ihrer Sprödigkeit wegen leicht fpringen*

Das einzige mir bekannte Gebäude, wo man jetzt noch das Frauen-glas zu Scheiben in den Fenstern eingesetzt findet, ist die Kirche S. Mi-niato auf einer Anhöhe über Florenz , Diese Kirche ist im Anfänge desix. Jahrhunderts von dem Kaiser Heinrich II, und seiner Gemahlin Cu-