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Dritter Band.
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II. Abschnitt.

der Vorbühne, und den Sprechplatz auf derselben so angegeben, dafs keinZweifel darüber obwalten kann. (Man vergl. die Beschreibung der RisseFig. l. 2. 3.)

Auffallen mag die grofse Länge der Bühne, wovon ein Viertel der-selben rechts, und ein Viertel derselben links hinter die Keile fiel; deswe-gen ein Theil der Zuschauer, welche auf den hohem Sitzen nahe der Bühnesich befanden, die ganze Bühne zu übersehen gehindert ward. Doch stelltesich der Theil der Vorbühne, der den Durchmesser der Orchestra hatte,ganz dem Auge dar. Aber hiebei wird leicht bemerklich, dafs jene grö-fsere Länge der Bühne angenommen werden mufste; sonst würde auch diemittlere Bühne einem grofsen Theil der Zuschauer bedeckt geblieben seyn.Bei jener Verlängerung der Bühne aber, wie sie in Fig. i. dargestellt ist,blieb die Ansicht der ganzen Bühne nur für Wenige beschränkt. Man be-nutzte daher die Seitentheile der Bühne, welche nicht für alle Zuschauergleich sichtbar waren, um allda die dreiseitigen Drehmaschinen, welche dieSeitendecorationen in Mahlerei vorstellten, anzubringen, und zwar wie wirin der Zeichnung angaben, in schiefer Richtung, Die zweite Bemerkung,die sich hieraus ergiebt, ist die, dafs die eigentliche Handlung der Schau-spieler nie auf diese Enden rechts und links der Bühne fiel, sondern nurauf die Mitte derselben zwischen k und A; woraus wieder klar wird, wasVitruv durch die Ausdrücke Sprechplatz der Vorbühne (pulpitum prosce-nii) und Logeion andeuten wollte. Die Vorbühne nämlich begreift in sichden ganzen Längenraum zwischen oo, der Sprechplatz oder das Logeionaber nur jenen mittlern Raum der Vorbühne, der zwischen gg und kk ein-geschlossen ist. Daher ist es nicht nöthig an eine besondere Erhöhung desSprechplatzes, wie manche wollten, zu denken. Das Ganze der Vorbühnelag in derselben Ebene. Hiedurch hoffen wir, den Grund einer solchenEinrichtung des Bühnenraumes hinreichend klar gerrjächt zu haben.

$. 15. Betrachten wir nun die Einrichtung des Griechischen Büh-nenbaues, mit der vorläufigen Bemerkung, dafs, was Vitruv nicht aus-drücklich als abweichend von der Römischen Bühne angiebt, bei der Grie-chischen eben so eingerichtet anzunehmen ist. Der Hauptunterschied war,dafs die Römische Bühne nur einen Raum batte, der sowohl für die Sce-niker, als die Thymeliker diente. Bei den Griechen hingegen hatten dieThymeliker ihren abgesonderten Raum, die tiefer liegende Orchestra, Fig.4. G, und die Sceniker den ihrigen, nämlich das höher liegende Prosce-