IV, Abschnitt'
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Staats verschwendeten? — Leider sehen wir unter den Gebildetsten die ei-frigsten Beförderer. Caesar und Augustus, Vespasian und Titus,Trajan und Hadrian erscheinen hierin nicht besser, als die Caligula ,die Neronen, die Domitiane, Commodus und Caracalla. Die Sci-pionen und Pompeji handeln hierin eben so, wie die Scauri und Cu»rionen. — Oder war es nur jenes in Müfsiggang und Schaulust versun-kene Volk der Hauptstadt, wo man solche Spiele duldete? — Ueberzeugenuns nicht die grofsartigsten Gebäude hiezu von Trier bis Capua , von Illy-rien bis Syrakus , Athen und Jerusalem , dafs dieselbe Wuth der Schaulustund des Verschwendens sich über eine ganze alte Welt verbreitet hatte? —oder 'waren es nur Gezwungene und Missethäter, die einer solchen Lustfröhnen mufsten? — Traten nicht Freiwillige auf, selbst vom ritterlichenund patricischen Blute? Sah man nicht selbst die Wuth des weiblichenGeschlechtes, das in solchen blutigen Kämpfen die Schaulust verwilderterMachthaber vermehren wollte? — Gab es nicht selbst Häupter, wie Nero ,Commodus und Caracalla, welche in der verruchten Sucht, Kämpfemit wilden Thieren und mit Gladiatoren zu bestehen, glänzen w r ollten?
Bei dieser wilden Verderbtheit scheint es fast lächerlich, eines Für-sten jener Zeiten zu gedenken, der vor dem unnützen Blutvergiefsen einesolche Scheu trug, dafs die Fechter in Rom nur mit stumpfen und vornabgerundeten Schwerdtern gegen einander auftreten durften. Dieser Fürstwar Marcus Aurelius , der milde Vater jenesCommodxrs, dessen ganzeRegiej-ung das Leben eines blutvergiefsenden Gladiators war.
Wenn aber solche Erscheinungen aus den Annalen der Menschheitnicht zu verwischen sind; so werde uns erlaubt, noch einen Augenblickdabei zu verweilen, theils durch Darlegung des Ursprunges, und der Ver-anlassung solcher Spiele gewissermafsen das Schauderhafte derselben, — wonicht zu mildern, doch hiedurch zu zeigen, zu welchen Ausschweifungender menschliche Geist gesteigert werden kann, wenn der religiöse Wahnsich einmal desselben bemeistert hat; theils was hier unser näherer Zweckist, einen Begriff von den baulichen Einrichtungen hiefür zu geben. Siesind von solcher Erheblichkeit, dafs sie fast alles Uebrige Auslöschen.
§, 2. So wie die gymnischen und ritterlichen Kämpfe, v/aren auchdie Fechterspiele religiösen Ursprunges, und so wie jene vorzüglich gege-ben wurden, um die Leiche ansehnlicher Todten zu ehren; fanden dabeiauch Vorgänge statt, aus denen die spätem Fechterspiele entstanden.
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