Band 
Dritter Band.
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IV. Abschnitt.

Solche Schauspiele waren aber nicht blofs für Rom. Scipio , dernachmalige Besieger Hannibals , gab sie im J. 548 zur Gedächtnifsfeierseines Vaters und Oheims zu Neucarthago in Spanien, wo, wie Livius (28* 21.) berichtet, nicht Sclayen, und keine Freien aus der Classe, welcheverkäufliches Blut haben, auftraten, sondern nur solche, welche sich ent-weder aus Liebe zum Feldherrn freiwillig weihten, oder ihren Muth vorden Augen desselben glänzen lassen wollten. Dazu stellten sich die Vor*nehmsten des Landes, die zugleich ihre Rechte durch den Zweikampf gel-tend machen wollten. Ein Beweis: wie leicht die Menschen durch Ehr-sucht auch zu dem Wildesten zu verleiten sind.

Athenaeus (4, 17.) meint: die Römer hätten die gladiatorischenSpiele von den Tyrrhenern entnommen, und dafs es schon bei den Campa-nern im Gebrauch war, Gladiatoren bei den Mahlzeiten auftreten zu lassen,ehe die Römer das Aehnliche bei sich einführten; welche Wuth dann soweit ging, dafs Manche im Testamente verordneten, dafs schöne Knabenund Mädchen, welche sie im Leben liebten, ihnen nun durch Wettkämpfean ihrem Grabe folgen sollten, dafs aber das Volk die Gültigkeit solcherTestamente nicht anerkannte.

Leider machen Gewohnheit und Erziehung den mildern Sinn in demBusen der Menschen erstarren. Doch welches Volk kann sich von solchenGreueln lossagen? Fanden nicht die Priester des Stifters der sanftestenReligion Anlafs, Tausende zur Schau hinzuopfern?

3. Nach dergleichen Erscheinungen im Alterthum, zu denen dieEdelsten im Volke den Anlafs gaben, darf man sich nicht wundern, wenndie Religion und die Pietät gegen Verstorbene nur eitler Vorwand -wurden,um wilde Lust und Ruhmsucht zu beschönigen, und die Gunst eines schau-lustigen Pöbels zu gewinnen. Das Volk, an Blut gewöhnt, wollte Blut se-hen, und den es traf Spiele zu geben, durfte nicht zurückstehen, den an-dern gymnischen Spielen auch gladiatorische Kämpfe beizufügen. Die KunstdesMordenswurde jetzt schulgerecht erlernt, und erschien unter mancher-lei Gestalten. In grofsen, hiezu eingerichteten Gebäuden wurden von denMächtigen ganze Schaaren solcher zum Tod Geweihten unterhalten undgefüttert, und zwar unter Aufsicht von Meistern, die das Handwerk leite-ten. Ja es gab selbst solche, welche ein Gewerbe daraus machten, auf Spe-culation ganze Heiden von Sclaven in dem Handwerk erziehen zu lassen,und sie dann den Gebern der Spiele um ein Theures zu vermiethen. Selbst