Band 
Dritter Band.
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Das Amphitheater und die Naumachie .

sachlich das gemeinere Volk die PuIIati, denen schon Augustusdiese obersten von dem andern Volke getrennten Sitze anwies, zu sitzenpflegte. Die Pullati waren zu arm um selbst Sitzkissen mitzunehmen, unddaher die mit hölzernen Bohlen belegten Stufen, damit sie nicht auf demkalten Stein zu sitzen hatten (vergl. vorgenannte Inschrift bei Marini).

Darüber kam der Säulengang K, der hauptsächlich den Frauen an-gewiesen war, und wo dieselben auf beweglichen Stühlen safsen. NachCalpurnius (Eclog. 7, 26.) hatte aber auch ein Theil der Pullati in dembedeckten Säulengang den Sehplatz, und, wie der Dichter sich ausdrückt,zwischen den Stühlen der Frauen (inter femineas Cathedras). Dies läfst sichaber nicht so denken, als wenn das schmutzige Volk untermischt mit denFrauen gewesen wäre, sondern nur, dafs gewisse Einschnitte des oberstenSäulenganges den Pullati für ihre Sitze ganz überlassen waren. Diese vonden Frauen abgesonderten Einschnitte befanden sich ohne Zweifel an denentgegengesetzten Theilen des vom Mittelpunkte der Arena entferntestenOvals. Denn an der einen erhaltenen Hälfte des Colosseum sieht man nochdie Spuren von zwei Treppen, (wovon wir die Stelle der einen in demGrundplan IV. mit einem Sternchen bezeichnten, und im Durchschnitt mitm andeuteten) welche für den Trofs von Seeleuten zum Aufgang über denSäulengang L und weiter bis auf den Umgang R bestimmt waren. ' DieseSeeleute hatten die Taue spannen, und das Velarium auszubreiten. Anden besagten beiden, noch sichtbaren, Treppen nmfsten zwei andere an derjetzt fehlenden Seite entsprechen, so dafs deren vier waren. Dieser Trofsvon Seeleuten konnte wohl da, wo die Pullati ihre Sitze hatten, auf- undabgehen, nicht aber an den Stellen, wo die Stühle für die Frauen standen.Hiernach waren die Räume für das gemeinere Volk nicht unbedeutend, be-sonders wenn man das dritte Maenianum I noch hinzu nimmt.

Nachdem wir nun so bis zum Gipfel des Baues für die verschiede-nen Classen der Zuschauer gekommen sind, so veranlafst uns dieselbe Ecloge(7, 47.) des Calpurnius noch zu ein paar Bemerkungen über die Aus-zierung. Er sagt nämlich v. 47.:sieh! es strahlen in die Wette der Gür-tel Balteus durch die Edelsteine, und die Halle durch ihre Vergol-dung. Das letztere, nämlich das Vergolden der Säulen und des Gebäl-kes der Halle begreift sich leicht; aber welcher Theil ist hier unter demGürtel begriffen, und was hat man unter den Edelsteinen zu verste-hen? Soll man hier die Auszierung der senkrechten Wand der ersten