Festungswerke und Stadtanlage ♦ 443
westwind fingen sie zu husten an; der Nordwind mache sie wieder gesun-den; aber er blase so kalt, dafs man in den Strafsen und Gassen nicht aus-dauern könne. Es sey daher nöthig, den Ort, wo man eine Stadt anlegenwolle, vorher genau zu orientiren, die herrschenden Winde und ihren Ein-flufs zu kennen, und darnach die Strafsen so anzuordnen, dafs die Windegebrochen würden, und keinen schädlichen Einllufs bewirken könnten.
Auch in Rücksicht der Märkte bemerkt Vitruv das Aehnliche.Aber umständlicher ist er in der Angabe der Oerter, an denen die Tempelder verschiedenen Gottheiten am passendsten zu stellen seyen, wie wir be-reits bei der Lehre vom Tempelbau angaben.
Die Lehren des Hippodamus scheinen vielfältig auf die bessernAnlagen der Städte eingewirkt zu haben. Aufser dem Piraeus schrieb manauch den Plan von Rhodus diesem berühmten Architekten zu, welcher Ortals eine der schönsten Städte der Griechen bekannt war. Aber, noch frü-her als Rhodus, erhielt Thurium in Unteritalien eine ganz regelmafsigeAnlage. Vier Hauptstrafsen an denen die Tempel der Götter lagen, nachdenen sie benannt wurden, durchschnitten die Stadt in der Länge. Sohiefs eine die Heracleische, die andere die Aphrodisische, die dritte dieOlympische, und die vierte die Dionysische. Nach der Breite aber theil-ten sie wieder drei Hauptstrafsen, wovon die eine die Heroische, die an--dere die Thurische, und die dritte die Thurinische hiefs. Kleinere Strafsenund Gassen tlieilten dann die Wohnhäuser gruppenweise in Inseln ab (Diod.12, 9. 10.). Hieraus ersieht man, dafs die Strafsen und Gassen sich über-all rechtwinklich durchschnitten, und nirgend schiefe und krumme Linienweder den äufsern noch den innern Bau der Häuser entstellten.
Auch Nicea in Bithynien war von Lysimaohus nach denselbenPrincipien angelegt. Die Strafsen durchschnitten sich im rechten Winkel,und wer sich im Gymnasium auf einen gewissen Stein stellte, konnte nachallen vier Thoren sehen. Die Stadt bildete ein Viereck von sechszehnStadien im Umfang.
Eine ähnliche Anlage, obgleich mit Anhöhen im Innern, erhielt auchAntinoe in Aegypten durch' den Kaiser Hadrian , wie die noch vorhan-denen grofsen Ueberreste zeigen (Expedit, de l’Egypte Tom. IV, PI. 53- 6 ,.).
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