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Das Thal Glarus unter Seckingen u. Oestr.

finden sich in den Urbarien auf die 22 verschiedenen » T a g w a n «vertheilt, in welche damals das Thal Glarus zerfiel 4 ). DieseBenennung der Abtheilungen des Landes, welche sich bis aufunsere Zeit erhalten hat und früher auch in der benachbartenLandschaft Gaster vorkain, scheint, da das Wort »tagwan« imMittelalter sonst immer Tagwerk, Frohndienst bezeicbnete, voneiner alten Eintheilung der Hörigen 8 ) herzustammen, nachwelcher sie die schuldigen Tagwerke zu leisten hatten. Auf-fallend ist, dass in dem erwähnten Verzeichnisse die Dörfer desSernfthals nicht genannt werden; erst im Jahr 1344 kommenauch » Tagwalüte « von Elm vor 6 ).

Der erste Schritt zur Ausbildung einer förmlichen Landes-hoheit Oesterreichs über das Thal Glarus lag in der Vereini-gung desselben mit der, durch die kyburgische Erbschaft demHause Habsburg zugefallenen Landschaft Gaster zu einem Amteunter einem Ammann). Da jedes der beiden Länder dessen-ungeachtet seine eigenen Gerichte behielt und seine eigenenhergebrachten Abgaben bezahlte, so lag in dieser gemeinsamenVerwaltung gerade kein Unrecht 8 ), besonders da Oesterreichauch im Gaster grösstentheils nicht die Grundherrschaft, son-dern nur die Vogtei 9 ) besass. Niehts desto weniger hatte sichhier, eben weil die Gewalt der Herzoge eine von uralter Zeither ererbte war, ihre Landeshoheit schon weit bestimmter ent-wickelt, als in Glarus, wo sie ihre Befugnisse nur von dem

4 ) Sie hiessen:Oberlinthal, Niederlinthal, Luchsingen, Nesselowe,Nitfuren, Obfuren, Schwanden, Obermillödi, Niedermillödi, Horgenberg,Oberennentaa, Niederennentaa, Niederendorf, Oherendorf (diese beidenmögen den jetzigen Flecken Glarus ausgemacht haben), Turson (Rie-dern?), Netstall, Mollis, Kirichze (s. oben g. 1, N. 17), Obernävels,Niedernävels, Urannen. 5 ) In unserm Urbar heisst es immer:derTagwan der Lüten ze Vrannen u. s. w. Desswegen und weil dieTagwen immer ganze Dörfer umfassten, darf mau wohl nicht an dieBedeutung eines Ackermasses denken. 6 ) Urk. in der T. U. S. (An-hang No. VII). 7 ) S. oben g. 3, N. 15 ff. 8 ) Yergl. Kopp a. a. O.S. 13(S. 9 ) Die Öffnung von Benken (s. oben g. 3, N. 8) nennt denHerzog immerVogt und spricht einmal ausdrücklich voneigenGut, das die Hofleute besitzen können. Bedeutendes Grundeigentliumbesassen im Gaster die Stifte Schännis, Einsiedeln und Pfäffers.