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Das Buch der Mysterien : Leben und Treiben der geheimen Gesellschaften aller Zeiten und Völker / von Otto Henne-Am Rhyn
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Bruder" beteten und fasteten, besuchten fleißig den Gottesdienst, übtendie religiösen Pflichten, unterstützten die Armen und pflegten die Kran-ken. Ihre Kleidung war einfach und einfarbig, weiß, schwarz oderbraun; wer die besten Kleider verlangte, erhielt die schlechtesten. AllerAufwand, Schmuck u. dgl. war untersagt. Lange Haare und Bärtewaren verpönt; beide mußten kurz gestutzt sein. Die Jagd war für dieTempler eine durchaus unerlaubte Beschäftigung. Sie durften nichtallein ausgehen und mußten auch auf Reisen stets die Ordensregelbeobachten. Während des Schlafes mußte stets ein Licht brennen.Weibliche Personen dursten sich in den Ordenshäusern nicht aufhalten,und selbst weibliche Verwandte durften die Bruder nicht küssen. Ließensie sich ein fleischliches Vergehen zu Schulden kommen, so durften siees Niemandem mittheilen, ausgenommen dem Meister zum Zwecke derBuße; Diesem aber durften sie nichts verschweigen und mußten sichseinen Vorschriften als Büßende fügen. Allen war Vermeidung derVerleumdung zur Pflicht gemacht.

Mit der Zeit unterlagen nun aber diese der Bescheidenheit,Mäßigkeit und Demut den Weg bahnenden Vorschriften bedeutendenVeränderungen. Denn der Orden vergaß nach und nach die Einfach-heit seiner Stifter. Er wurde reich an Glücksgütern und brach damitdas Gelübde der Armut; er folgte nur seinen eigenen Eingebungen undseine Glieder ihren Gelüsten, womit das Gelübde des Gehorsams ver-letzt war; und so ging es auch mit jenem der Keuschheit, während dasdem Orden eigentümliche der Beschützung des Pilgerns nach dem heil.Lande durch dessen fahrlässigen, ja in manchen Umständen verräterischenWiederverlust an die Sarazenen sein Ende fand. Statt gegen Diesezu kämpfen, widmeten sich Tausende von Tempelrittern auf ihren zahl-reichen Besitzungen im Abendlande dem Müssiggange und den verderb-lichsten Leidenschaften. Der Hochmut wuchs unter ihnen, und so kames, daß sie das dem Mönchtum entnommene, in der Ordensregel nochvorgeschriebene Noviziat der Mitglieder nach und nach abschafften,wodurch sie großen Zulauf erhielten, indem es stolzen Rittern sehr gutgefiel, keine klösterliche Vorschule im Orden durchmachen zu müssen.

Die Tempelritter sollten lauter Edelleute von untadelhafter Ab-stammung sein; doch nahm man bisweilen auch uneheliche Söhne vonRittern auf. Sie sollten weder verehelicht noch verlobt sein und keinemandern Orden angehören; man half sich aber durch Aufnahme vonVerheirateten unter dem Titel vonAffiliirten", wie man sich auch