Zwölfter Abschnitt
Lerasvns linNme!
So wenig als die Reformation ein absichtliches Werk der Re-formatoren, so wenig war die französische Revolution ein solches derMißvergnügten und Revolutionäre. Diese beiden großen Ereignisse derWeltgeschichte waren vielmehr notwendige Folgen der vorangehendentraurigen kirchlichen Zustände im 15., und der ebenso traurigen politi-schen im 18. Jahrhundert. Wohl haben sich die Anhänger verrotteter,aber einträglichen Vorrechten günstiger Einrichtungen nach Kräften be-müht, den Ausbruch der französischen oder vielmehr europäischen Re-volution aus absichtlichen Bemühungen der Freimaurer oder anderergeheimer Gesellschaften herzuleiten. Allein die Ergebnisse dieser Be-mühungen waren eben keine Beweise, sondern lediglich willkürliche Be-hauptungen. Es läßt sich wohl nachweisen, daß einzelne Mitgliederderartiger Gesellschaften solche Grundsätze ausgesprochen haben, wie sienachher im Verlaufe der angedeuteten revolutionären Bewegungen zurGeltung gelangten, wie z. B. die Rechtsgleichheit Aller vor dem Ge-setze, die Aufhebung der Folter und der grausamen Leibes- und Todes-strafen, der Hexenprocesse und der Inquisition, und es sind dies auchnotwendige Folgen der freimaurerischen Grundsätze; allein dieselbenkamen nicht deshalb zur Geltung, weil sie theilweise von Freimaurernangeregt wurden, sondern weil die allgemeine Stimmung erwachte, daßjene Reformen in der Ordnung und am Platze und ein längstgefühltesBedürfniß seien. Alle großen Ideen in der Geschichte müssen eben