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Eides auf Geheimhaltung der Eigentümlichkeiten des Steinwerkes, sowiedie Beobachtung der (wie sich das Dekret ausdrückte) „läppischen"Grußformeln und des Unterschiedes zwischen Gruß- und Briefmaurern.Die Bauhütten bestanden jedoch im Geheimen fort und bestehen nochheutzutage an vielen Orten, obschon ihnen die Gewerbefreiheit derneuern Zeit alle Bedeutung genommen und den Boden unter den Fü-ßen weggezogen hat.
Ein ganz anderes Bild, als die deutschen, bieten uns die fran-zösischen Handwerksverbindungen dar. Während wir dort reges Stre-ben nach Vervollkommnung in der Kunst, Pflege des Schönen und einegrundsätzliche, sowol moralisch edle, als religiös freie Gesinnung erblicken,tritt uns hier nur wildes, rohes Treiben, schwach gemildert durch einigeerfreuliche Züge, entgegen. Im Schooße des französischen Handwerkeswaltet scharfe Trennung zwischen den Zünften der Meister und denVereinen der Gesellen. Jene haben weder ein gemeinsames Band,noch besondere Eigentümlichkeiten; diese aber bilden mächtige Verbin-dungen mit geheimen Verfassungen und Gebräuchen. Die feste An-sässigkeit der Ersteren und das Wandern der Letzteren von Ort zu Ortbegründen diese Verschiedenheit im Verhalten beider Stände, die alssolche durchaus nichts mit einander zu schaffen haben.
Verbindungen der französischen Handwerksgesellen (vomxaAnon-imgss) gibt es mehrere, die sich jedoch nicht nach Gegenden, sondernnach ihrer angeblichen Gründungsart und nach den Handwerken unter-scheiden. Sie zerfallen zunächst in die zwei großen Parteien der Oora-xagnou» cku äsvoir (Gesellen der Pflicht) und der (lomPagirons äsIlbsrts (Gesellen der Freiheit). Erstere zerfallen wieder in die UuLntsäs Nattrs ääoguss (Kinder des Meisters Jakob) und in die Lukmtsäs Naltrs Soudiss (Kinder des Meisters Soubise), während die Letzterensich gemeinsam UnLnts äs Satomon nennen. Sowol zwischen denGesellen der Pflicht und der Freiheit, als wieder zwischen den KindernJakob's und Soubise's waltet die grimmigste Feindschaft und der tödt-lichste Haß, der sich auch in ihren Mythen und Ueberlieferungen ab-spiegelt. Diejenige der Pflichtgesellen lautet: Bei der Erbauung desTempels Salomo's in Jerusalem habe der aus der Bibel bekannteBaumeister Hiram unter seinen zahlreichen Arbeitern zur Erhaltungder Zucht und Ordnung Gesellschaften mit besonderen Losungswörternund geheimen Gebräuchen gestiftet. Dies sei jedoch die Veranlassungseines Todes geworden, indem einige Gesellen das Losungswort der