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Das Buch der Mysterien : Leben und Treiben der geheimen Gesellschaften aller Zeiten und Völker / von Otto Henne-Am Rhyn
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stark zunahmen und das Volk zur Buße aufriefen. Durch anhaltendeKämpfe errangen sie die Oberherrschaft in der Stadt, vertrieben ihreGegner, sammelten überall her Ansiedler ihres Glaubens, zerstörtenalle kirchlichen Kunstwerke, brachen die Spitze des Münsterthurmes ab,weildas Höchste erniedrigt werden müsse", und führten eine theokra-tische Republik ein, welche aber später in eine Aristokratie von zwölfAeltesten und endlich zu Gunsten Jan Beukelssohn's, eines Schnei-ders aus Leyden, in eine Monarchie, ein neuesKönigreich Jerusa-lem", umgewandelt wurde. Während dieser Regierungsänderungenwurde Münster von dessen Bischof, sowie von katholischen und prote-stantischen Fürsten belagert, von den Wiedertäufern aber heldenmütigvertheidigt. Wer sich in der Stadt nicht taufen ließ, wurde vertriebenund dann von den bischöflichen Truppen als Protestant nieder-gemacht. Gütergemeinschaft, öffentliche Speisungen und Vielweibereiwurden eingeführt, von welcher letztem besonders derKönig" Ge-brauch machte, der mit Schrecken und Wut regierte und einst eineseiner Frauen, die ihn hatte verlassen wollen, auf dem Markte eigen-händig enthauptete und mit den klebrigen um den Leichnam herum-tanzte. Durch Verrat wurde endlich 1535 Münster eingenommen, derKönig" und zwei seiner ersten Beamten mit glühenden Zangen lang-sam zu Tode gemartert und ihre Leichen in eisernen Käfigen an einemThurme aufgehängt, in der Stadt aber alle Freiheit aufgehoben undder katholische Glaube mit Gewalt wieder eingeführt. Luther sagtedazu:Gott hat den Teufel aus Münster hinausgejagt, dafür aberist des Teufels Großmutter wieder hereingekommen."

Seit dieser ihrer furchtbaren Katastrofe sind die Wiedertäuferein kleines, stilles Häufchen harmloser Schwärmer geworden. Undauch keine andere Sekte durfte sich mehr rühren, seit die zwei großenGlaubensparteien Roms und Wittenbergs einander bekämpften, inihren jeweiligen Friedensschlüssen nur sich selbst berücksichtigten und sodie ganze Christenheit in zwei Schafställe einpferchten.

Im Verlaufe dieser Kämpfe hatte aber die protestantische Rich-tung eine solche Ausdehnung genommen, daß ihrer Gegnerin bangewerden, daß ihr geradezu der Sturz des geistlichen Römerrciches alsfurchtbares Fantom vor Augen schweben mußte. Da hieß es für sie:Sein oder Nichtsein, Handeln oder Untergehen. Zum Handeln bedurftees aber einer Macht, und zwar einer mit Waffen des Geistes angrei-fend vorgehenden. Diese Macht konnte nicht das Papsttum sein; denn