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schuftigen werden. Von diesen neuen Systemen angefeindet als ver-altetes Zeug und Betrug, nahm die strikte Observanz an Zahl der Mit-glieder und an allgemeiner Achtung immer mehr ab. Um diesem Uebel-stand abzuhelfen, und die Maurerei durch Aufklärung über ihr wahresWesen aus der Zersplitterung wieder zur Einheit zu führen, berief derGroßmeister Herzog Ferdinand im Jahre 1782 einen neuen Konventnach Wilhelmsbad bei Hanau. Es fanden sich jedoch, da blos dieTempelritter Stimmrccht hatten, auch fast nur Solche ein, und zwaraus Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Italien und Rußland, — dieneu entstandenen Systeme hielten sich fern. Nach langwierigen Ver-handlungen in 30 Sitzungen machte sich die Ueberzeugung endlich gel-tend, daß eine Abstammung der Freimaurer von den Templern sich nichthistorisch nachweisen lasse, besonders in Folge der Aufklärungen, welcheChristas Bode, „Ritter von der Lilie des Thales", über das Treibender Jesuiten gab, und man beschloß, die französischen Bruder nachzu-ahmen, welche bereits vier Jahre vorher auf dem „NationalkonventeGalliens" in Lyon beschlossen hatten, den Templernamen fallen zu lassenund sich künftig „Ritter der Wohlthätigkeit aus der heiligen Stadt" zunennen. Dieser neue Orden blieb jedoch auf Frankreich beschränkt i inDeutschland zerfiel das Ritterwesen vollständig.
Die beiden neuen Lichter aber, auf welche wir bereits aufmerksamgemacht, waren: das sogen, schwedische System und die erneuerteRosenkreuzerei.
Die schwedischen Maurer hatten in der Mitte des 18. Jahr-hunderts das auch bei ihnen eingedrungen ächte englische Maurertumzu einfach und schlicht gesunden, und verlangten nach mehr Glanz undPomp, Geheimnissen und Abstufungen. Diesem vermeintlichen Bedürf-nisse suchte der fantastische König Gustav III. abzuhelfen durch die Be-arbeitung eines neuen, des schwedischen, Systems, welches aus derwirklichen Maurerei, der strikten Observanz und dem, was man unter„Rosenkreuzerei" verstand, vorzüglich aber aus dem Systeme von Cler-mont, zusammengebraut wurde, und bei dessen Schöpfung die damalserscheinenden Schriften und Lehren des bekannten schwedischen Mystikersund Geistersehers Jmmanusl Swedenborg nicht unwirksam gewesensein mögen. Gustav verband mit dieser Schöpfung zugleich den Plan,mittels der Freimaurer, die er durch Pomp gewann, sich die ihm lästigeAdelspartei vom Halse zu schaffen. Bald nach dem Jnslebcntreten desschwedischen Systems geschah es nun, daß ein deutscher Freimaurer,