Aus Oldecops wiederauigesundener Chronik. 229
doch noch von hundert und abermal hundert Seiten ent-gegen. Um uns w kurz als möglich zu fassen, wollenwir, zur Prüfung der Echtheit oder Falschheit dieser Ur-kunde, dieselbe hier unter einem dreifachen Gesichtspunktebeleuchten.
Klar und zur völligen Evidenz geht ihre Unechtheithervor: 1. aus der Geschichte der damaligen Zeitereignisse;2. aus dem persönlichen Charakter und den individuellenVerhältnissen Ferdinands; und endlich 3. aus dem Charakter,den Handlungen und Schriften Luthers selbst."
Der Verfasser weist dies im einzelnen nach und kommtam Schlüsse zu der Ansicht, daß Luther selbst den Brieferdichtet habe — um seine Freunde zu ermutigen und dieGegner zu verwirren.
Als er diesen Zweck nicht erreichte, nannte er, wie wiroben gesehen, Ferdinand einen »nsbulo xossimus«.
27. Aus Oldecops wiederaufgefundener Chronik.
Luther und die „Weforrnation". *
Bon Oldecop wird demnächst noch viel die Rede sein;es stehen über diesen Mann, der erst seit 150 Jahren mehrin Vergessenheit geraten, von mehreren Seiten ausführlicheBiographieen bevor. Das Universallexikon von Zedler.vomJahre 1740 erwähnt nur die Protestanten dieses Namens,den katholischen Johannes Oldecop kennt es nicht. ErstJürgens in seinem 1846/47 erschienenen Werke über„Luther" (bis zum Ablaßstreit) hat ihn wieder dem größerenPublikum bekannt gegeben.
Wie seiner Person, so erging es auch dem HauptwerkeOldecops, seiner Chronik. Einst sehr bekannt, häufig citiert
i Vorn Verfasser vorher veröffentlicht in den „Hist.-pol. Bl."vom 1. u. 16. August 1893.