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Schiller in seinen Dramen / von Carl Weitbrecht
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doch deutlich, wie sich das alles lichtet, wie der höhereSchicksalsgedanke des wahrhaft Tragischen sich aus dem trübenSchicksalswahn herausringt. Und das muß man wohl be-achten, wenn man sich gründlich überzeugen will, daß dieBraut von Messina" mit jener vielberufenenSchicksals-idee" im Übeln, kleinlich-fatalistischen, engbrüstigen Sinnenicht nur nichts zu thun hat, sondern mit ihr geradezugründlich aufräumt.

Das führt aber auch noch auf die Erklärung dafür,warum dem weniger scharf und genau hinsehenden Blicke esallerdings scheinen kann, als ob sich's um ein derartigesSchicksal handeln solle. Nicht die Träume und Traum-deutungen an sich berechtigen zu einer solchen Auffassung:sie üben ja faktisch keine Macht, die nicht seelisch durch dieCharaktere vermittelt wäre; chicht der Glaube der handeln-den Personen berechtigt dazu: er ist ja eben nur subjektivtreibendes Moment, nicht objektives Fatum; nicht die Sprüchedes Chors berechtigen dazuj: der Chor darf als das Volkvon Messina auf dem fatalistischen Boden stehen. Aber derStil ist's, die Sprechweise, die durch das ganze Stück geht,was allerdings immer wieder den Eindruck machen kann,als ob Schiller doch jene enge Schicksalsidee zum Ausdruckbringen wollte. In dem Völker- und Religionsmischmaschauf Sicilien, der zu jden Voraussetzungen des Stückes ge-hört, wo enger mittelalterlicher Christenglaube mit moham-medanisch-fatalistischer Weltauffassung und Nachwirkungengriechischer Schicksalsgedanken sich verbinden in dieserVoraussetzung liegt's, daß Schiller einen Ton, eine Art sichauszudrücken für sein Drama geschaffen hat, die allerdingsvoll ist von man möchte sagen- konventionellen Redens-