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arten und Wendungen, wie sie der ängstliche Wahn für seinekleinen Schicksalsvorstellnngen zu allen Zeiten und in allenReligionen gebraucht hat. Dazu kommt, daß Schiller inder „Braut von Messina" von den romantischen Anwand-lungen der „Jungfrau" noch einmal (ehe er im „Teil" einenneuen Stil gewinnt oder seinen deutschen Jugendstil erhöhtwiedergewinnt) zu der klassicistischen Neigung zurückkehrt,zum Stilisieren des Ausdrucks in Anlehnung an antike Vor-stellungen und Mythologieen. Nimmt man noch das dazu,so erklärt sich's, daß so Viele durch diesen Schleier hindurchnicht ins eigentliche Wesen jdieser Tragödie zu sehen vermögen— namentlich alle diejenigen nicht, welche zwar genug ge-lehrtes Wissen über ein bestimmtes Drama, aber zu wenigästhetisch-dramaturgische Einsicht in das innere Leben desDramas und der Tragödie haben. Aber am Schlüsse der„Braut von Messina", eben in Don Cesars Worten, dasollten doch jedem die Augen aufgehen: da lichtet sich's, dabricht das reine Licht des wahren, ewigen Schicksals aus denNebeln eines mißverstandenen Schicksals heraus.