II. Geologisches. — Niveauschwankungen beim Kurischen Haff. 125
haben. Dass die Ostsee einmal weiter landeinwärts sich erstreckthabe, beweisen die Yoldienthone Elbings und die Sande Gerdauens;eine Hebung muss also die Ostsee haben zurückweichen lassen. Dassaber hierauf kein Zustand der Ruhe eingetreten ist, hat Berendtwenigstens für die Umgebung des Kurischen Haffs bewiesen. Be-trachtet man nämlich die Schichtenlagerung an dem Ostseeufer derKurischen Nehrung zwischen Cranz und Sarkau, wo sich dasselbein Abbruch befindet, so ergiebt sich folgendes 1 ):
Das am weitesten nach unten befindliche Diluvium wird zu-nächst von dem alt-alluvialen Heidesande überlagert, der in seinenuntersten Partien eine mannigfaltige Wechsellagerung zwischenMoostorf- und Heidesandschichten aufweist, dagegen in den oberenPartien nur aus Heidesand mit der charakteristischen Fuchserde be-steht. Ueber dem Heidesande befindet sich der jung-alluviale Dünen-sand. Ganz analog ist die Anordnung der Schichten an der öst-lichen Seite des Haffs an dem steilen Abbruchsufer der WindenburgerEcke. Es wird insbesondere auch hier nicht die Wechsellagerungzwischen Moostorf und Heidesand in den unteren Partien des Alt-Alluvium vermisst und der einzige Unterschied vom Abbruchsuferder Kurischen Nehrung ist der, dass über dem Heidesande derDünensand nicht angetroffen wird. Berendt schliesst nun auf Grundder angegebenen Lagerungsverhältnisse, dass diese Gegend, nachdemdas Diluvium über das Wasserniveau emporgetaucht sei, folgendeSchicksale gehabt habe.
Zuerst sei eine lange Periode eingetreten, in der wiederholtSenkungen mit Hebungen abgewechselt hätten. Diese Niveau-schwankungen würden bewiesen durch jene Wechsellagerung derMoostorf- und Heidesandschichten, die nur so erklärt werden könnte,dass die zur Entwickelung gekommenen Moosdecken immer vonneuem unter Wasser gesetzt seien, bis schliesslich eine grosse Sen-kung das Uebergewicht über diese kleinen oscillirenden Bewegungenbekommen habe und eine ca. I—2 m mächtige Heidesandschichtausgebildet worden sei.
Hierauf müsse zweitens eine Hebung eingetreten sein, da ohneeine solche die unter dem Wasser abgesetzte Heidesandschicht nichtihre heutige, den See- und Haffspiegel um etwa 3 m überragendeLage hätte einnehmen können. Während dieser Hebungsepoche sei
*) Berendt, a. a. O. S. 53 .