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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
Entstehung
Seite
126
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126 II. Geologisches.

Niveauschwankungen beim Kurischen Haff.

auch das Kurische Haff dadurch entstanden, dass die heutige Kurische Nehrung , welche vorher eine unterseeische Barre dargestellt habe,sammt ihren Inselkernen aus dem Wasser emporgehoben wordensei und so die Grundlage für die Dtinenbildung abgegeben habe.Ferner sei drittens jene oben erwähnte, bis in die neueste Zeitnachweisbare Senkung eingetreten und habe das Kurische Haff inseinen heutigen Umrissen geschaffen, das am Schlüsse der vorher-gegangenen Hebung weit kleiner gewesen sei.

Berendt gelangte zu diesen Annahmen durch seine Voraus-setzung, dass der Heidesand ein marines unter Wasser abgesetztesGebilde sei. Diesem widerspricht jedoch der Umstand, dass derHeidesand durchaus petrefaktenlos und ungeschichtet ist; es liegtdaher die Vermuthung wol näher, dass derselbe, wie er petro-graphisch ein dem Dünensande sehr ähnliches Gebilde darstellt,auch in genetischer Beziehung ihm analog sei. In diesem Fallewürden sich die Vorgänge am Kurischen Haff anders gestalten. Eswürden nämlich die Senkungen und die darauf folgende Hebung,welche Berendt annimmt, damit die Heidesand-Ablagerungen ge-bildet werden und über das Meeresniveau gelangen konnten, weg-fallen und die Entstehung des Kurischen Haffs würde erst in diejung-alluviale Zeit zu setzen sein. Hier sind nun zwei Möglichkeitengegeben, wie man sich das Haff entstanden denken kann. Die eineist die, dass die jetzige Nehrung sowie das hinter derselben liegendeebene Land unter das Meeresniveau hinabsanken, wodurch ein tiefins Land einschneidender Busen der Ostsee entstand, der späternach Auf hören der Senkung in Folge von alluvialer Meeresthätig-keit zum Haff sich umbildete. Diese Annahme gewinnt an Wahr-scheinlichkeit, weil man an vielen Stellen innerhalb der Dünen derKurischen Nehrung metermächtige bankförmige Lagen grünen, ziem-lich fest verkitteten Sandes gefunden hat, die, wenn der Wind denSand wegweht, stehen bleiben. Vielleicht deuten sie eine frühereWellenthätigkeit an 1 ).

Die andere Möglichkeit ist die, dass bei eintretender Senkungzwar nicht die Dünenkette der Nehrung unter das Meeresniveautauchte, wol aber das hinter ihr gelegene Land eine Depressionbildete, die von dem Wasser der einmündenden Flüsse oder ausser-dem noch vom Meere, das die Dünenkette an mehreren Stellen

*) Berendt, a. a. O. S. 21 und 58.