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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
Entstehung
Seite
127
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II. Geologisches.

Niveauschwankungen beim Kurischen Haff. 127

durchbrach man erinnere sich der prähistorischen Tiefe zwischenKurischem Haff und Ostsee zu einem Strandsee umgebildet wurde,der aber in diesem Falle nie einen Theil des Meeres ausgemacht hat.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch manche andere Haffeder Ostsee auf eine solche Weise entstanden sind, indessen ist sieimmerhin die unwahrscheinlichere, w r eil sie die komplicirtere ist,indem sie ausser den Senkungen, welche das Ostseebecken geschaffenhaben, noch eine andereKraft voraussetzt, während die Wellenthätigkeitsich stets äussert und also die Inanspruchnahme derselben zur Er-klärung näher liegt, als die einer doch nicht überall sich äussern-den Kraft.

Jene Senkung nun, welcher das Kurische Haff auf die eineoder die andere Weise seine Entstehung verdankt, kann auf keinenFall dieselbe sein, welche bis in die neueste Zeit historisch sichernachgewiesen ist, vielmehr widersprechen manche Erscheinungendieser Annahme und fordern, dass zwischen beiden Senkungen ent-weder eine Hebung oder doch wenigstens ein Zustand der Ruhestattgefunden habe. Vor allen Dingen hätte sich nämlich dasMemeldelta bei einer fortdauernden Senkung gar nicht entwickelnkönnen; es verliert sogar allem Anscheine nach jedes Delta bei ein-tretender Senkung an Umfang, eine Thatsache, auf die G. R.Credner 1 ) in zahlreichen Beispielen aufmerksam macht.

In dieser Zwischenzeit verlor das Haff bedeutend an Um-fang, beziehungsw'eise wurde der bis Tilsit hin sich erstreckendeOstseebusen nun erst zum Strandsee umgebildet, indem dieDünenkette der heutigen Kurischen Nehrung, wofern sie bei derersten Senkung völlig unter Wasser getaucht w r ar, sich jetzt vonneuem bilden konnte. Die anschwemmende Thätigkeit derWellen, deren Wirkung damals nicht mehr durch die Senkungaufgehoben wurde, fand hier nämlich eine geeignete Stelle inFolge der im Vergleich zu der Tiefe der Ostsee sich plötz-lich vermindernden Wassertiefe über dem Boden des heutigenHaffes und der damit in Zusammenhang stehenden Verminderungder Intensität und Transportfähigkeit der Wellen. Freilich, ohneeine eingetretene Hebung lässt sich eine völlige Neubildung derKurischen Nehrung, so, w r ie sie sich heute darstellt, trotzdem nicht

*) a. a. O. 64 ff.