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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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III. Physikalisches.

Strömungsverhältnisse.

nördlich von Bergen ist sie nachgewiesen worden. Es ist dahernicht unwahrscheinlich, dass diese Strömung sich noch bis CapStadt fortsetzt und hier in den Golfstrom einmündet.

b. Der einfliessende oder Nordseestrom.

Wären die im ersten Abschitte dieser Arbeit näher beschriebenenphysiologischen Zugangstiefen der Ostsee gerade nur so tief, dasssie dem ausfliessenden Ostseestrome das zu seiner Wassermassenöthige Bett gewährten, so hätte man es bei der Ostsee -Hydrographieallein mit den bis jetzt erwähnten Strömungen zu thun. Der hierangedeutete Fall tritt aber in Wirklichkeit nicht oder doch nurtheilweise ein und in Folge dessen ist neben dem auslaufenden Ost-seestrome noch eine einfliessende Strömung zu erwähnen, der soge-nannte Nordseestrom. Die BezeichnungNordseestrom ist der indie Ostsee einlaufenden Strömung aus dem Grunde beigelegt worden,weil sie ihren nächsten Ursprung innerhalb der Nordsee hat undzwar ist derselbe in der südlichen Nordsee zu suchen. DieseScheidung der Nordsee in einen nördlichen und einen südlichenTheil wird hervorgerufen durch eine Reihe von Bänken, welche inder Richtung SWNE liegen und Doggerbank sowie Grosse undKleine Fischerbank heissen. Eine Linie, etwa von Flamborough-Head nördlich von Hüll über den Nordrand der genannten Bänkehinweg bis zur Mitte des Eingangs ins Skager-Rak gezogen, scheidetdaher am besten einen flacheren südöstlichen Theil von einem tieferennordwestlichen. Jede dieser beiden Abtheilungen ist durch besondereStrömungen charakterisirt, deren Betrachtung auch für die Ostsee nicht ohne Bedeutung ist.

Die Hauptströmung des südlichen Theiles der Nordsee trittdurch den Pas de Calais ein und breitet sich hierauf in der Weiseaus 1 ), dass jene oben erwähnten Bänke im Nordwesten für dasTiefenwasser eine Barriere bilden und eine weitere Ausbreitung des-selben auch über den nördlichen Theil der Nordsee verhindern.Für die Oberflächenschichten ist dagegen die Trennung zwischenden beiden Nordseehälften weniger gut ausgeprägt.

In ihrem weiteren Verlaufe wird die Hauptströmung der süd-lichen Nordsee schliesslich jn die Westküste Jütlands gedrängt, undindem sie den Küstenumrissen dieser Halbinsel folgt, gelangt sie in

*) Zur Physik des Meeres von H. A. Meyer (Jahresberichte der Kommission zurwissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere. II., III. S. 7, 13.)