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Band III. Die Schweizer Alpen. Zweite Hälfte.
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Dritter Hauptteil, Die Schweizeralpen.

peripherischen Regionen sind feinkörnige Biotitglimmerschiefer (Quarz, Biotit, Mus-covit, Sericit, Chlorit, akzessorisch Plagioklas, Apatit, Epidot, Hornblende). Be-sonders charakteristisch sind ein grauer Glimmerschiefer mit großen Muscovit-plättchen, gebänderte Sericitquarzite, graphitische Sericitschiefer, Plagioklasgneise.Während die Feldspäte in der Adula meist frisch sind, sind sie im Tambo fastimmer sericitisiert. Pegmatitgänge, in der Adula kaum zu finden, sind hier sehrhäufig (prachtvoll am Gipfel des Pizzo Curiusa) und ihr präalpines Alter gibt sichdurch ihre starke UM zu erkennen (Feldspäte zertrümmert, sericitisiert, die Musco-vite verbogen, die Turmaline gebrochen, die ganzen Gänge oft verbogen und ver-quetscht). Orthogesteine, besonders schöne granitische Augengneise sindim Nordteil spärlich, bilden aber weiter gegen S am N-Abhang des Bergell denKern der Tambomasse, an den sich darüber wie darunter je eine Zone von In-jektionsgneisen, dann die Paragneise und Glimmerschiefer anschließen. Diese Augen-gneise sind biotitreicher als diejenigen der Adula. Die Feldspataugen liegen inkataklastischer Mörtelhülle und sind mehr oder weniger sericitisiert. Granatglimmer-schiefer sind bisher erst aus der Wurzelnähe (Castasegna ) bekannt. Amphibolitesind selten. Basische Intrusionen sind sehr spärlich; Hornblendeschiefer mit Chloritund Ilmenit sind auf der Bernardinö-Mesoccoseite im tieferen Teil nahe über derTrias gefunden. Das Tambo-M. ist noch sehr unvollständig untersucht.

Die tektonische Parallelisierung war insofern nicht sofort klar, alsdie Gesteine auch aus dem obersten 'feile der Adula am ähnlichsten denen der Mte.Leone-D.= III sind, die casanna-artigen Sericitschiefer, Sericitquarzite, graphitischenQuarzite des Tambo am meisten auf die St. Bernhards-D.=IV weisen, so daß dannals Vertreter der Mte. Rosa-D. im Westen die Suretta-D. allein blieb. Allein diebesten Kenner der fraglichen Gebiete, E. Argand und R. Staub, sind zu demResultat gelangt, daß schon der obere Teil der Adula die im Eschwächer gewordene 1 ). IV vertritt und daß Tambo und Surettazusammen der zweigelappten Mte. Rosa-I). = V entsprechen (S 546).Die Gründe dafür sind folgende:

D. IV zeigt im Streichen einen gewissen Eazieswechsel ihrer Gesteine. DieGlaucophangesteine finden sich nur im westlichen Wallis . Die echten Casannaschieferverschwinden gegen den Simplon hin mehr und mehr und werden vielfach durchhelle Gneise, Granatglimmerschiefer und Amphibolschiefer (Berisalgneise) ersetzt,die oft denen des Mte. Leone recht ähnlich sind, und gleichzeitig ist das Carbonauch ausgeblieben. Die obere Adula kann also auch nach ihrem petrographischen Be-stände sehr wohl die Fortsetzung von D. IV sein. Überdies finden sich casanna-artige Gesteine auch in der oberen Adula. Solche, und besonders Graphitquarzite,finden sich auch im Mte. Rosa-M. Sie werden in demselben sogar gegen Wreichlich (zona graphitica). Ihr Vorkommen im Tambo-M. ist also kein Beweisfür D. IV. Auch' im Suretta-M. sind sie vorhanden. Die grobkörnigen Augen-gneise und Granitgneise des Mte. Rosa finden sich ununterscheidbar wieder in denKernregionen der Tambo- und auch der Suretta-D.; D. IV hat nirgends solche.Allerdings treten die Orthogesteine nach der Masse in diesen Massiven im Ver-gleich zum Mte. Rosa etwas zurück, die Paraschiefer sind mächtiger. Aber auch die