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Dritter Hauptteil, Die Schweizeralpen.
ganz originellen Art begründet, die in manchen Punkten an Termiers Auffassungder Westalpen anklingt. Ganz ebenso wie verschiedene Fazies, so charakterisierenauch verschiedene Abstufungen der Metamorphose (DM -f- RM) die ver-schiedenen Deckenstockwerke, und machen sie in ihrer Überlagerung erkennbar.
Außerdem aber treten gegen E stratigraphische Änderungen allmählich ein. Dieauffallendste Erscheinung in dieser Art scheint eine Transgression von Nummuliten-kalken zu sein, welche eine Abrasionsfläche der älteren Dn. in relativ unveränderterLagerung schon vor dem Aufschieben der Hallstätter- und Dachstein-D. überkleideten.Von Nummulitentransgression ist in den Graubündneralpen, wenn sie je vorhandenwar, keine Spur geblieben. Es mag sein, daß jene ostalpine Einsenkung kurz vorEnde der Deckenbewegungen im W gar nicht stattgefunden hat. Eine weitere Be-sonderheit des E ist das Auftreten der hochostalpinen D. mit ihrem Silur, Devonund Culm . Es ist zu hoffen, daß die neue Einsicht auch im E weitergeführtwerde und daß die Fruchtbarkeit derselben sich bald in klar gezeichneten Kartenund Profilen auszudrücken vermöge, ausreifend das von V. Uhlig begonnene Werk!
Alle Tektonik, soweit wir sie heute von den östlichen E-Alpen kennen, zeigtuns auch dort große Erstreckung der Dn. in der Streichrichtung des Gebirges mitoft erstaunlichem Aushalten oder doch nur geringem Wechsel der Fazies in dieserLängserstreckung, einheitliche weite Bewegung primär von S nach N. Wer sollteda noch zwischen die Gebirgswellen dieser Rindenflut hinein Raum und Möglichkeitfür einen primären E-*W-Schub annehmen können!
II. Die unterostalpinen Dn. im Bernina- und Julier-Err- Gebirge.
(Taf. XXVI und XXVII oberes Profil.)
Auflagerung des Unterostalpinen im Berninagebirge.
N der Deckenfirstantiklinale, die durch den Passo d’Uer streicht, setzt mit ge-waltig treppenförmig gestuftem Erosionsabsturz an der S-Seite des Berninagebirges,das unterostalpine Deckengebirge ein. Seine Glieder fallen hier alle, einem ein-gesunkenen Deckenrücken, der „Oberengadiner Deckensynklinale“, gegen N und zu-gleich einem allgemeinen Axialgefälle gegen E gehorchend, ein. Aus der Kombi-nation dieser beiden Fallrichtungen ergibt sich ein allgemeines NF.-Fallen, schwankendvon 10 bis 25 0 , für dieses ganze Bernina-Deckengebirge. Die W—E laufende First-linie des einseitigen Gebirgsdaches ist aber schon weit von der ursprünglichen tek-tonischen Firstlinie der Alpen überhaupt gegen N zurückgewittert. Sie bildet eineReihe hoher Gipfel, darunter die höchsten der E-Alpen überhaupt: P. Tremoggia 3492(Trias der Margna-I).), P. Gliischaint 3600, la Sella 3587, P. Roseg 3943, P. Bernina4055, P. Zupo 3999, P. Palü 3912, P. Cambrena 3607.
Die Unterlage des Berninagebirges ist an der S-Seite tief entblößt. Da istVal Malenco bis 3000 m unter die Basis des Ostalpinen eingehöhlt in Gneis, Triasund besonders in mächtigem Serpentin der Suretta-D. Über den Suretta-Serpentinenerstreckt sich hoch oben im N-Hintergrunde der Malencotäler der Ausbiß der ge-quetschten, ausgedünnten Margna-D. unter der Stufenkante, über welcher dann derScerscengletscher liegt, entlang bis ins Puschlav hinüber. Die Margna-D. ist hier