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Ratpert der erste Zürchergelehrte : ein Lebensbild aus dem neunten Jahrhundert / gezeichnet von Georg Rudolph Zimmermann, jun.
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seinen Nachfolger. Allein in Folge der Uneinigkeit der königlichenBrüder Lothar, Ludwig und Carl, welch ersterem auch Bernwic an-hing, fiel Ludwig in Alamannien ein, und unterwarf sich einen Teildesselben. Nach dem bald erfolgten Tode des Abtes Bernwic erhober den ihm genehmen Engelbert auf den Abtsstnhl. Wenn das auchgegen alles Recht geschah, so war Engelbert doch wenigstens einMönch des Klosters. Nichtsdestoweniger giengen jetzt allerlei Wirrenüber das Stift. Die Schule gerieth ins Stocken, die Wissenschaftwurde an den Nagel gehängt. Doch nicht lange sollte das währen.Die Schlacht bei sn Unisys, vom 25. Juni 841, ent-

schied zu Gunsten Ludwigs und Carls, und sofort wurde auch dasStift St. Gallen einem Günstling Ludwigs, dem Kanzler Grimaldals Benesizium übertragen. Dieser doppelte und dreifache Eingriffeiner unberechtigten Hand in den Gang des Klosters, durch welchenein feierlich ordinirter Abt durch denjenigen abgesetzt wurde, von demer erhoben worden und an seine Stelle unter Verletzung der Im-munität ein fremder Geistlicher, der nicht einmal die Kutte trug, dernicht einmal im Kloster bleiben sollte, gesetzt wurde, diese Tat erfülltealle Mönche mit unmäßiger Traurigkeit. Allein da die Sache nichtzu ändern war, so machte man gute Miene zum bösen Spiel. Ehren-voll und demütig wurde der neue Vater ausgenommen, und ihm schondadurch, und gewiß nicht am wenigsten durch die glänzenden, wennauch noch nicht in allweg vollendeten Gebäulichkeiten ein günstigesVorurteil für das Kloster des hl. Galt eingeflößt. Grimald suchteauf alle möglichen Arten das Kloster auf eine seltene Stufe derVollendung zu bringen und darin wurde er von den Mönchen tüch-tig unterstützt. Als man aber sah, wie gütig sich der Abt immergegen seine Untergebenen benahm, wie er ihnen auf jede Weise denSchmerz über ihre Erniedrigung und Verletzung zu versüßen suchte,faßte man Mut, und trat an ihn mit der Bitte heran, dem Klosterdie durch seine Einsetzung mit.Füßen getretene Jmmnnitätsurkundebestätigen zu lassen. Diese Bitte wurde über Erwarten gut aufge-nommen, und dem Kloster sofort mit Zustimmung des Königs Ludwigder Auftrag erteilt, den Nachfolger Grimalds zu erwälen.