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Ratpert der erste Zürchergelehrte : ein Lebensbild aus dem neunten Jahrhundert / gezeichnet von Georg Rudolph Zimmermann, jun.
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Ein dritter Gesang, der die Form der Litaneilieder trägt, istfür die Procession zum Taufbrunnen, und dessen Weihe bestimmt.Die alte Kirche taufte, mit Ausnahme von Notfällen, nur zweimaledes Jahres, am stillen Sabbat, und am Vorabend vor Pfingsten.Das erste Mal sollten die Katechumenen gleichsam mit Christo ausder Gewalt der Hölle befreit, am Ostermorgen auferstehen zu neuemLeben. Am Pfingstfeste dagegen sollte sich über die Neugetauften,wie über jene dreitausend Personen am ersten Pfingstfeste der hl.Geist ergießen. Wenn mau auch im Laufe der Jahrhunderte, alsdie Täuflinge nicht mehr erwachsene Personen, sondern Kinder waren,davon abging nur an diesen beiden Tagen zu taufen, so hat sich inder katholischen Kirche doch bis beute die Sitte erhalten, an diesenTagen das Taufwasser unter feierlichen Gebeten und vielsagendenCeremonien zu weihen. Am stillen Sabbat wurde in St. Gallen dieWeihe in der folgenden Weise vorgenommen: Nach Vollendung dersogenannten Kcrzenweihe, bei welcher jener prächtige Gesang SanctAugustins: Es juble die Menge der himmlischen Engel figurirt, werdenzwölf Prophezeiungen des alten Testamentes vorgetragen, und je nachder vierten ein Tractus eingeschoben, z. B. jener Gesang aus II. Mose15 oder Jesajas 5. Nach Absolviruug alles dessen ordnet sich diegesammte Geistlichkeit, in violetten Chorgcwänden zur Procession, vor-aus ein schön geschmücktes Kreuz, dann die Leuchterträger, die Rauch-faßträger, dann ein Chorknabe mit der neugeweihten Osterkerze. Hier-auf folgt der celebrireude Priester, au den sich die Menge der Con-ventualen, Knaben rc. anschließt, alle den Psalm singend: Wie einHirsch verlanget nach frischem Wasser rc. Ain Taufbrunnen angelangt,singt der Celebrant den vorbereitenden Lobgesang während dessen er dasWasser mit der Hand nach der Richtung des Kreuzes teilt, dasselbe drei-mal bekreuzt, darüber haucht, die geweihte Kerze in dasselbe eintaucht,dreimal und zwar jedemals tiefer als vorher. Er sprengt mit demFinger das Tauswasser -nach allen vier Himmelsgegenden. Alle dieseCeremonien, deren Sinn und Bedeutung leicht zu errathen ist, gehenwährend einer Reihe von Gesängen und Gebeten vor sich. HieraufWird das Wasser mit dem geweihten Oel und dem Chrisma (einer