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Ratpert der erste Zürchergelehrte : ein Lebensbild aus dem neunten Jahrhundert / gezeichnet von Georg Rudolph Zimmermann, jun.
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sagten, und das Zugemüse denen in der Welt draußen ließen, wo sieum Mitternacht in den Chor eilten und die Ruhe des Körpers demHerrn opferten. Andere Zeiten, andere Sitten. Das Kloster, dasunlängst treu an der Regelzncht und überlieferter Lebensweise festhielt,es ist abgewichen von dem eingeschlagenen Pfade. Humanere Uebungenkamen auf, die Sonne hat die Brüder geweckt, und das Gtöckleinhat den dämmernden Tag begrüßt. Wie nun'? Die alte Einfachheitist verlassen worden, nicht viel wurde neu, aber es ist doch anders.So auch in St. Gallen . Zu verschiedenen Malen hat man vonhoher und höchster Seite es für gut befunden, die Zustände in St. Gallen untersuchen zu lassen. Aber auch die in der reichen An habenin srenndnachbarlichem Eifer auf das Kloster an der Steinach sorg-same Blicke gerichtet. Die Geschichte dieser Reformen ist nichts wenigerals klar. Denn sie wird uns in ganz tendenziöser Darstellung vor-getragen, und das, was man aus der Erzälung herauszulesen ver-mag, beschränkt sich auf wenige im Ganzen nicht wichtige Punkte:daß die Brüder Sondereigentnm besaßen, daß sie neben der schmalenKlostertafel eigene Speifeschränke in ihren Zellen hatten; daß mehrereAebte nicht sorgfältig genug die Oekonomie des Stiftes verwalteten,und statt zu mehren minderten. Und dennoch wird man auch imschlimmsten Falle von St. Gallen nicht sagen können, was von einerAebtissin des mit St. Gallen Zelle verwandten Münsters zu Zürich gesagt worden ist:eine der drig Aebtissinen die übel mit demStifte gehuset", denn keineswegs ist die Zucht erloschen, wenn auchdie Gewohnheiten eine mildere Farbe annahmen. Die Visitatorenwaren wol alle mit zu geringen Erwartungen vor der Pfalz abge-stiegen, sie mußten abziehen und bekennen es sei denn doch nicht halbso schlimm wie sie meinten, und die Tradition ist nicht müssig gewesen,sie hat uns St. Gallen in einer Weise gezeigt, die Bewunderungerregen muß, und hat die Musternden in übelm Lichte erscheinenlassen. Der Abt der reichen Au ist mit Schimpf und Schandeheimgekehrt. Der Mönch Sandrat von St. Maximin bei Trier ,der anderwärts als ein Borbild frommer Mönche geschildert wird,und mit dem Heiligenscheine umgeben worden ist; er kommt in