Buch 
Ratpert der erste Zürchergelehrte : ein Lebensbild aus dem neunten Jahrhundert / gezeichnet von Georg Rudolph Zimmermann, jun.
Entstehung
Seite
218
JPEG-Download
 

218

Beispiel ist derart, daß man annehmen muß, Hadwig sei nicht diebeste Hellenistin gewesen. Später hat denn Burchard die Sprache inseinem Kloster gelernt. Auch im Lateinischen ist er eifrig gewesen.Denn er Pflegte die lateinischen Verse nur so aus dem Aermelzuschütteln: das von Scheffel und Freytag gebrachte hübsche Geschichtchenist allzubekannt, um hier noch einmal aufgetischt zu werden. Burchardwurde Abt, der zweite seines Namens, und hat sein Kloster tüchtiggelenkt (f 17. Juli 1022.)

Vielleicht am wichtigsten für die Nachwelt ist der vierte derNeffen: Notier (IV.) Labeo, der Großlefzige, auch Theutonicus,der Deutsche genannt. ') Er wurde im Jahr 952 geboren. Leider

>) Notker I. ist der Stammler, über den wir schon öfters gesprochen habenPag. 103 ff.,115 ff. Etwas jünger ist der zweite Notker, Llsckions,^ieus (Arzt)nnd kiperisAisnnm (Pfefferkorn) genannt. Als Arzt war er durch viele glücklicheEuren rühmlichst bekannt geworden, wenn auch von der von Scheffel pag. 18 be-schriebenen Heilung nichts zu lesen steht. Als aber die Herzogin Hadwig (nochzu Lebzeiten ihres Gemahles) dem Abte Burchard (I.) einen mutigen Zeltergesandt hatte, dieser aber den Abt, der sonst ein tüchtiger Reiter war, so un-glücklich abgeworfen, daß man für sein Leben fürchtete, da war es Notker derin kurzer Zeit den Abt so weit herstellte, daß er zwar an Krücken wiedergehen konnte. Als Maler hatte er einen großen Namen, denn er hat nach demgroßen Klosterbrand von 073 Thürflügel und namentlich das Getäfel der Kirchekunstreich bemalt. So war er auch ein gewandter Miniaturmaler. SeineBedeutung als Dichter haben wir oben schon hervorgehoben. Seine Diag-nose galt als beinahe übernatürlich. Innig mit Notker befreundet war (sein Lehrer) Gerald, der, auf dem Todtenbette, den Wunschhegte, seinen Freund, der freilich damals nicht in St. Gallen weilte, nocheinmal zu sehen. Er war nämlich an der königlichen Pfalz , vielleicht alsLehrer Otto's des Zweiten. Wir werden später hören, wie sich die Ottonen umden Greis bemühten. In seinem höhern Alter hatte er das Unglück zu er-blinden, allein die Mönche machten es sich zur Freude ihn zu unterhalten undihn zu führen. Das Todtenbnch bemerkt zum 12. November (975)Tod Notkers , des allergütigsten Lehrers und Arztes." War er wol mit wachsendemAlter weniger streng geworden?

Ein dritter Notker war der Abt, ein Brnderssohn des Abtes Cralo nnd einSchwesterssohn Notkers II. Er wurde im Jahr 971 zum Abte erwält, undbegab sich nach geschehener Wal mit Empfehlungsschreiben des zurückgetretenenBurchard und etlichen Begleitern an den Hos nach Speier, um vom Kaiser dieBestätigung zu erhalten. Der Kaiser erstaunte über den schmächtigen Jüngling,