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Hestia-Vesta : ein Cyclus religionsgeschichtlicher Forschungen / von August Preuner
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348
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348 BISHERIGE BEHANDLUNG DER R. GRÜNDUNGSSAGEN.

nend für die Sagen Roms. Er hat es unternommen, dieEntstehung und den Gehalt der römischen Gründungssagezu enthüllen, im Gegensatz zu Niebuhr, der noch meinte: 1»Mythologische Erzählungen dieser Art sind eine Fata Mor-gana, deren Urbild uns unsichtbar, das Gesetz ihrer Re-fraction unbekannt ist; und wäre es das auch nicht, sowürde doch keine Reflexion so scharfsinnig verfahren können,dass es ihr gelänge, aus diesen wunderbar vermischten Formendas unbekannte Urbild zu errathen.«

Lewis ist in seiner fleissigen und gründlichen Arbeitim Grunde auf den von ihm selbst charakterisierten Stand-punkt de Pouillys zurückgegangen.

Mommsen 2 unterscheidet zwischen hellenischer undrömischer Vorgeschichte Roms. Er begnügt sich aber mitAndeutungen. Er spricht von Namen und Thatsachen, diesich erhalten hätten, von der Symbolisierung und Histori-sierung uralter Volksinstitutionen, besonders rechtlicher Ver-hältnisse. Als Beispiele dafür nennt er »die Heiligkeit derMauern in der Erzählung vom Tode des Remus, die Ab-schaffung der Blutrache in der vom Ende des Königs Tatius ,die Nothwendigkeit der hinsichtlich der Pfahlbrücke festge-setzten Ordnung in der Sage von Horatius Codes, die Ent-stehung des Gnadenurtheils der Gemeinde in der schönenErzählung von den Horatiern und Curiatiern, die Entstehungder Freilassung und des Bürgerrechts der Freigelassenenin derjenigen von der. TarquinierverschwÖrung und demSklaven Vindicius. Eben dahin gehört die Geschichte derStadtgründung selbst, welche Roms Ursprung an Latium unddie allgemeine latinische Metropole Alba anknüpfen soll.Zu den Beinamen der vornehmen Römer entstanden histori-sche Glossen, und vor allem knüpften an den heiligenFeigenbaum und andre Plätze und Merkwürdigkeiten derStadt sich in grosser Menge Küstererzählungen von

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1 R. G. I 3 S. 246 f. I 4 S. 126.

* Röm. Gesch. I 3 S. 455 ff.

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