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Hestia-Vesta : ein Cyclus religionsgeschichtlicher Forschungen / von August Preuner
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350
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350 BISHEBIGE BEHANDLUNG DEB B. GBÜNDUNGSSAGEN.

mit den Prädicaten, die er den Fabeln ertheilt, welche »sichan den heiligen Feigenbaum und andere Plätze und Merk-würdigkeiten knüpften«, Recht, wären dieselben wirklichKüstererzählungen von der Art derjenigen, aus denen überein Jahrtausend später auf demselben Boden die Mira-bilia Urbis erwuchsen, dann verlohnte es sich kaum derMühe.

Allein sicher unterschätzt M. in hohem Grade denWerth der römischen »Küstererzählungen«.

Gewiss man muss sagen, der treffende Blick des Histori-kers bewährt sich auch in seiner Behandlung der römi-schen Gründungssage. Die historische Kritik darf ihr gegen-über heute nicht auf dem Standpunct stehen bleiben, aufdem sie noch Schwegler gelassen hat. Es muss an sie Handangelegt, das national-römische ipuss von den hellenischenZuthaten* geschieden werden.

Noch Schwegler legt seiner Behandlung der römischenGründungssage einfach die ausgebildetste, späteste Form zuGrunde, ohne die Nähte zu gewahren, vermöge deren indieser verschiedenartige Sagen verbunden sind.

Und seine Haupttendenz ist und bleibt im Grunde dienegativ-kritische, der Beweis, dass das alles Sage, nichtGeschichte sei. Die Hauptfrage, wie diese Sagen entstanden,umgebildet, mit einander vermischt und zusammengeklebtworden, behandelt er noch nicht durchgreifend genug; wederihm noch auch Mommsen ist es gelungen, sie in ihremWerden und ihren Umbildungen nachzuweisen, Mommsenschon desshalb nicht,weil er mit Vorurtheilen an sie geht,nicht mit Hingabe sich in die Natur derselben versenkt.

,Er spricht von Küsterlegenden, Historisierungen. Sym-bolisierungen 1 vielmehr, als von Mythen; ist das richtig?Allerdings römischen Mythen gegenüber erhebt sich eineFrage, die nicht ganz leicht zu beantworten ist.

Fällt denn Roms Gründung überhaupt noch in eineächte Mythen bildende Zeit?

Bekanntlich unterscheidet man eine mythische und eine