AUFFASSUNG UND BEHANDLUNG DER MYTHEN. 351
historische Zeit, die durch Übergangsstufen vermittelt sind.Diess führt uns auf die Frage, was denn eigentlich derMythos ist, und wie, wann und wo derselbe entsteht?
AUFFASSUNG UND BEHANDLUNG DER MYTHEN.
Seitdem die Wissenschaft begonnen hat, Mythen zuanalysieren , anstatt sie einfach wie bisher gläubig hinzu-nehmen, ist, abgesehen von' denen, welohe alle Mytheneinfach als werthlose Dichtungen verwarfen, stets vonder Forschung ein doppeltes Verfahren eingeschlagenworden.
Entweder nahm man sie für das, als was sie sich deräussern Form nach geben, als Erzählung, als wunderbarausgeschmückte Geschichte. Diese Anschauung, die stetsihre Hauptvertreter in Frankreich gefunden hat, gelangteauch • dort im vorigen Jahrhundert zur höchsten Blüthe.Und wenn sie den griechischen Mythen gegenüber zu dengrössten Irrthümern verführen musste, so war sie, wie sichvon selbst versteht, bei einem grossen Theil der römischenSagengeschichte in weit grösserer Ausdehnung berechtigt.So mussten wir schon oben die Verdienste von Männernwie de Pouilly und Beaufort mit rühmender Anerkennungerwähnen.
Oder aber man erkannte in der Erzählung blosse Form,als den wahren Inhalt der Mythen eine Idee. Wer kenntnicht die zahllosen Versuche von Mythendeutung, die zumTheil zu so tollen Verirrungen führten, wie die eines Tolliuswaren, und wovon noch die neueste Zeit so seltsame Proben ge-liefert hat? Dabei war die Voraussetzung die, dass das Wissen,die Philosopheme der ältesten Zeiten in diesen Mythen nieder-gelegt seien. Daneben trieb der Gedanke, dass in jenen Mythender religiöse Glaube der ältesten Völker zunächst derGriechen enthalten sei, Werke hervor, als deren reifstes die