352 AUFFASSUNG UND BEHANDLUNG DER MYTHEN .
Theologia gentilis des Gerardus Joannis Yossius 1 bezeichnetwerden muss.
Aber auch bei ihm ist der Gedanke vorherrschend, dassvielfach die jüdische Offenbarung verhüllt und entstellt inden Religionen des Heidenthums durchscheine. 2 Noch unterdem Einfluss dieser Doctrin geschah es offenbar, dass Span-heim daran denken konnte, l Earia von abzuleiten, dochso, dass er hier natürlich nicht auf die Offenbarung, sondernauf orientalischen Irrglauben an einen höchsten Feuer- oderSonnengott zurückwies. 3
Die Erschliessung der persischen und indischen Religions-bücher in Verbindung mit solchen Ideen von einem Urzustandund einer Uroffenbarung, wie sie die restaurationssüchtige Ro-mantik in den ersten Decennien unseres Jahrhunderts zu Tageförderte, gab der mythologischen Forschung neuen Schwung.Im Sehertone mit blendender Phantasie und sinnverwirren-der Mystik schrieb Görres die Mythengeschichte der asiati-schen Welt (1810). »Die ersten Blätter in dem grossen Buchder Weltgeschichte, die ersten Tafeln von Gottes Finger
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1 G. J. Vossius, de theologia gentili et physiologia Christiana sivede origine ac progressu Idololatriae ad veterum gesta ac rerum naturamreductae, deque naturae mirandis, quibus homo adducitur ad Deum.Amstelod. 1642; Francof. 1668. 4.
2 Er sagt in der praef.: »Eadem (sc. face) originem aperui pluri-morum, quae Romani ac Graeci de diis suis fabulantur. Si quidemomnis prope superstitio ex Syria et Aegypto in terras profluxit caeteras.Unde etiam est, quod in Graecorum commentis non obscurae supersintreliquiae veteris historiae de Adamo, Noacho, Josepbo, Mosua, Sam-sone, aliis.« Dass solche Ansichten noch nicht spurlos verschwundensind, beweist unter anderm ein Aufsatz von F. Köster in Ullmann undRothes Studien und Kritiken, XXXVII 1864, 1 S. 111 ff. ‘Eine Con-jectur über den Ursprung der reineren Religionsbegriffe in den liomer.Gesängen’. Diese werden nämlich hier gleichfalls schliesslich aufisraelitischen Ursprung zurückgeführt.
3 S. die diatriba de Vesta ac prytanibus' Graecor. (zuerst erschienen1672) in Graev. thes. V p. 688 a, A.