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Hestia-Vesta : ein Cyclus religionsgeschichtlicher Forschungen / von August Preuner
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NEUERE AUFFASSUNGEN DER MYTHEN.

schied zwischen heiliger, reiner Priesterlehre und dem pro-fanen Volk, Hessen sie sich nicht gleichwohl für manche Ten-denzen vortrefflich verwerthen, zumal bei dem Hochmuth,mit dem diese Philosophie von ihrer intellectuellen Anschau-ung aus auf klares, nüchternes, syllogistisches Denkenherabsieht ? 1

Trotz dem, dass diese Theorien schon an sich verwirrendgenug sind, muss es befremden, wenn wir lesen, was Görres 1von Vesta schreibt. 2

Im Vergleich dazu noch nüchtern sagt Schelling: 8 »Einanderes Bild jener ersten Natur, deren ganzes Wesen Be-gehren und Sucht ist, schien das verzehrende Feuer, das selbstgewissermaassen nichts und ein alles verzehrender Hungernach Wesen ist. Daher der uralte Lehrsatz: Feuer sei dasInnerste, also auch das Älteste, durch Dämpfung des Feuershabe sich erst Alles zur Welt angelassen. Daher, dass auchHestia als das älteste der Wesen verehrt worden, und dieBegriffe der Ceres und der Proserpina , der ältesten Gott-heiten, mit dem der Hestia vermengt worden.« So erklärter dann in der Anmerkung 4 auch die Sitte, ihr zuerst zu

*

1 Görres, asiat. Mythengesch. I S. 25 f.

* Der Dienst des Lingams sei der älteste, die Aufrichtung der 12L.s bezeichne die erste Epoche. »Später erst .trennten sich die Ge-schlechter und vertheilten sich in Kteis und Phallus an zwei Blüthen;es ramiflcirten sich die Genitalien aus der Einheit in die Vielheit undnoch in der spätem griechischen Mythe ist die Einwirkung diesesMoments nicht zu verkennen: die zwölf männlichen Gottheiten diezwölf Staubfäden des Phallus aus jenen zwölf Lingams, die Sonne inihren zwölf Häusern; die zwölf weibliclfen Gottheiten, ebenso die Kteisund der Mond in seinen Phasen im Laufe durch den Thierkreis, derStaubweg in 12 Narben auseinandergegangen, unten ruhend in der MitteVesta , das heilige erddurchquellende Feuer in seiner Feuchte, um siedie Erdenlust in den Nectarien, rund umher als eine gefüllte Blumedie ganze Pracht des äusserlichen Dienstes.«

s Über die Gottheiten von Samothrake , Stuttgart und Tübingen 1815. S. 12 f.

4 Anm. 34 S. 56.