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Dogmen die Grundlage der griechischen Theomythie sei’. 1‘Indem sie zuvörderst ursprüngliche Glaubenseinheit allerVölker voraussetzt, und ferner diejenige Form des religiösenDenkens, welche sich in den heiligen Büchern der Hindusund Ghebern ausspricht, als die älteste anerkennt, bestimmtsie im voraus, wie die ältesten Griechen über Gott undNatur gedacht haben müssen.’ 2
Nur bei einer solchen apriorischen Gewissheit war esmöglich, zum Beweis vorhomerischer tiefer Philosophie nebeneinander Zeugen aus allen Zeiten und allen Ländern inbuntem verwirrendem Durcheinander zu benützen. Gegen dieForderungen historisch-kritischer Forschung setzte Creuzer dieThesis, der Mytholog müsse geboren werden, und die Lehrevon »einer Apperception, die man weder lehren noch ersitzenkann, sondern die von einem geistigen Organismus bedingtist, nicht unähnlich dem, welcher die Dichter schafft.« 3
Creuzer spricht ferner zwar mehrfach so, als halte aucher symbolische und mythische Ausdrucksweise für die un-willkürliche eines Volks, das einer höheren und reineren,abstracteren, der des discursiven Denkens noch nicht fähigwar, aber er sagt gleichwohl mit dürren Worten: 4 »Dassnun die ältesten Lehrer des Griechenvolks jene Grundgesetzedes menschlichen Geistes und jene Bedingungen ihres Ge-schäfts wohl verstanden und in dieser Überzeugunggehandelt haben, dafür sprechen die unzweideutigsten Zeug-nisse«. Erberuft sich auf des Pausanias 5 Äusserung: »Ichgelangte nachher zu der Einsicht, dass die W’eisesten unterden Griechen nicht in deutlichen Worten, sondern auf eineräthselhafte Weise ihre Gedanken vor Zeiten vorgetragen
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1 A. a: 0. S. 189.
3 A. a. 0. S. 189 f.
8 S. L. Friedländer, Mittheilungen aus Lobecks Briefwechsel S. 6.und vergl. Symb. und Mythol. I 8 S. XI f.
‘ A. a. 0. S. 483.
8 Paus. VIII, 8, 2.