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haben: daher betrachte ich auch das, was sie von dem Kronossagen, als eine Äusserung weiser Überlegung«. 1
Auf dem Standpunct der Allegorie befand sich wesent-lich auch Heyne, nur dass er die Vermengung mit Indischemzurückweist. 2
G. Hermann 3 bekämpft Creuzers Synkretismus und seineAnnahme, dass der Inhalt der Mythen religiöse Priesterweis-heit sei; ihm enthalten die Mythen Philosopheme, d. h. durchReflexion gewonnene und nur mythisch oder symbolisch aus-gedrückte Gedanken.
Voss’s Angriff gegen ‘vorcreuzerische’, d. h. heynesche,und creuzerische Symbolik 4 galt vor allem der Annahmeeiner angeblich höheren vorhomerischen Priesterweisheit. Essei lächerlich, anzunehmen, dass diese ältesten Horden Weis-heitslehrer hervorgebracht hätten. Erst spätere Dichter undPriester hätten jenen rohen Vorstellungen geistigere Begriffeuntergeschoben. Nachher seien von Judaea her reinere Strahlendurchgedrungen, aber das Licht der Wahrheit wieder grauen-voll von Orphikern und Mystikern entstellt worden. Voss’sVerdienst besteht in der Energie, mit welcher er gegenCreuzers unwissenschaftliche Vermengung der kritisch unge-prüften Zeugnisse aus allen Ländern und Zeiten die historisch-kritische Methode der Philologie verfocht. Die Entstehungder Mythen vermag auch er nicht zu erklären, weil ihm dieErkenntniss versagt blieb, dass in den Mythen allerdingsAhnungen höheren Wissens nur nicht mit absichtlichem Be-wusstsein niedergelegt sind, und weil sein Hass gegen Pfaffen-tlium und Mysticismus ihn blind machte für die Anerkennungtieferer Ideen, die gleichwohl durch Orphiker und Mysterien
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1 S. Creuzer a. a. 0.
1 Comment. soc. Gott . t. XVI p. 297.
3 Principielle Hauptschrift: Über das Wesen und die Behandlungder Mythologie. Ein Brief an H. Hofrath Creuzer. Leipzig 1819.
4 Zuerst 1794 »wagten sich Mythologische Briefe hervor«.Von Voss’s mythol. Hauptschrift, die Antisymbolik erschien Bd-1 1824,Bd. II nach seinem Tode 1826.