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die Geschichte hat den Beweis dafür geliefert, dass vorzugs-weise religiöse Erregung Mythen hervortreibt, eben weilnichts die Völker tiefer zu ergreifen pflegt, als religiöse Be-wegungen. Aber es ist klar, dass, je höher die Stufe der Civili-sation ist, welche ein Volk erstiegen hat, um so mehr diemythenbildende Thätigkeit verkümmert. Je mehr litterarischeBildung alle Kreise des Volks durchdringt, um so mehr ver-breitet sich die Fähigkeit, das gedachte und empfundenewirklich sachgemäss auszudrücken, statt nur das mythischeGegenbild zu sehen und wiederzugeben. Der alte gewaltigdie Gemüther ergreifende Mythos flüchtet in die Gestalt desanspruchslosen Märchens, an stelle gehaltreicher Neubildungtritt die wundersüchtige und ideenlose Legende.
Fällt nun Roms Gründung wirklich noch in die reinmythische Zeit? Nach der gewöhnlichen Ansetzung derGründungszeit gewiss nicht. Denn wenn etwas sicher ist,geht die mythische Zeit dem Gebrauche der Schrift voraus.Die Schrift in Italien ist aber gewiss viel älter. 1
Die römische Sagengeschichte würde also wirklicheGeschichte enthalten, nur verwachsen mit mythischen Ele-menten.
Gewiss gilt diess von der späteren Königszeit und demBeginn der Republik . Hier ist die Tradition vielfach nurpoetisch ausgeschmückt. Man denke an die Sage vom Sturzder Tarquinier, von der Schlacht am Regillussee. Fürwahrvöllig zu verwerfen ist Niebuhrs Hypothese von römischenNationalepen denn doch nicht.
Dicht an die wirkliche Tradition schmiegen sich fernerdie von Schwegler so genannten aetiologischen Mythen, indenen Mommsen die Symbolisierung und Historisierung uralter
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1 Vgl. über das Alter der Schrift in Rom Mommsen, unterital. Dial.L. 1850. S. 38 f.;' r. G. I 3 S. 209 f.; 211 f.