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Volksinstitutionen erkennt. Sie sind rein mythischer Natur,sofern sie nichts sin3 als Gedanken in erzählender, stattin begrifflicher Form. Viele derselben haben es aber nichtmit religiösen Gedanken und übermenschlichen Mächten zuthun, sondern sind nichts anderes als eine' aus einem Brauch,einer Rechtsvorschrift, einer Gesetzesvorschrift herausgespon-nene Geschichte, wie die Sage vom Raub der Sabinerinnen,von dem siegreich heimgekehrten Horatier, von der Tödtungdes Remus, weil er über die Mauer gesprungen war. Höchstcharakteristisch sind für Rom gerade diese Mythen recht-licher Natur. Sie sind es, die, wie wir sahen, in der Zeitdes historischen Mythos erwachsen.
In diesen, den historischen Mythen, werden wir irgendwelche wenn auch noch so schwache Spuren wirklicherÜberlieferung vermuthen. Ihr geschah es alsdann, dassMythen sie umgebildet, entstellt, aber auch ihren idealenGehalt herausgehoben, ihre Lücken ausgefüllt haben, völligan die Stelle derselben getreten sind. Aber wie steht esmit den religiösen Mythen, mit der rein mythischen Zeit?Für sie bleiben nur zwei Möglichkeiten. Entweder ist Rom nicht im Jahr 753 gegründet, sondern um Jahrhundertefrüher, oder sind wenigstens doch seine religiösen Mythenweit älter, als Rom selbst nach der gangbaren Annahmeseiner Gründungszeit es wäre. Beides ist wenigstens denkbar.
Man weiss, dass die Ansetzung der Dauer der römischenKönigszeit eine fictive ist. Auch wenn man zugibt, dassdie Zeit der tarquinischen Herrschaft von der Tradition nichtauffallend unrichtig gemessen sei: die Zeit der latinischenund sabinischen Ansiedlungen auf dem Boden Roms, ihrerVerbindung, der Aufnahme weiterer Bestandteile, ist eineungemessene. Und abgesehen von der Entstehungszeit Roms,steht die Thatsache fest, dass die Bevölkerung Roms einegemischte war.
Der Grundstock der Bevölkerung sind Lateiner; aberschon was diese betrifft, ist die Angabe der Sagengeschichte,dass von den frühesten Zeiten an in Rom Bewohner ver-